1. Startseite
  2. /
  3. Wissen
  4. /
  5. Kulturlandschaften

Kulturlandschaften

In Deutschland gibt es keine Gebiete mehr, die nicht vom Menschen geformt, gestaltet und genutzt wird. Neben urban, industriell und wirtschaftlich genutzten Flächen sind dies auch natürliche Landschaftsformen wie Wald, Wiese und Agrarfläche. Historisch gewachsene Naturlandschaften sind beispielsweise Hudewälder, Streuobstwiesen oder Heide.

 

Wallheckenlandschaft

Kulturlandschaft “Wallhecke”

Kulturlandschaft “Wallhecke”

Im Oldenburger Land ist die prägnanteste Kulturlandschaft die der Wallhecken. Das sind mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Erdwälle, die im Rahmen der historischen Landnutzung hauptsächlich zur Umzäunung von Acker- und Weideflächen angelegt wurden. Das Anlegen von Wallhecken erfolgte bis in das 19. Jahrhundert hinein vorwiegend aus der Notwendigkeit heraus, in der waldarmen Landschaft wertvolles Ackerland vor dem freilaufenden Allmende-Vieh zu schützen, eine Grenzziehung zum Nachbargrundstück vorzunehmen und eine Quelle für Brenn- und Nutzholz sowie als Laubheulieferant zu schaffen. Zudem schützten sie vor Winderosion. Gräben am Wallheckenfuß dienten der Entwässerung der angrenzenden Nutzflächen. Aufgrund dieser Nutzungsmöglichkeiten war die arbeitsaufwendige Errichtung und Pflege der Wallhecken in der damaligen Zeit für die Landbevölkerung von großem Vorteil und sinnvoll.

gesunde Wallhecke

Andere Namen für Wallhecken sind Knick, Öwer oder Över. In Frankreich, Großbritannien und Belgien bezeichnet man eine durch Wallhecken geprägte Landschaft als Bocage. In ländlichen oder auch vormals ländlichen Gegenden Norddeutschlands tragen vielerorts Straßen den Namen “Knick”. Wird eine Straße beiderseitig von Wallhecken begrenzt, so ist dafür der Begriff Redder verbreitet. Trittstufen zum Überqueren eines Grabens oder einer Wallhecke heißen Stegel oder niederdeutsch „Steggelsch“. Wallhecken-Grünlandkomplexe haben sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem eigenen Lebensraum für Flora und Fauna entwickelt.  In der Intensivlandwirtschaft können Wallhecken die mechanische Bodenbearbeitung behindern. Wallheckenlandschaften sind in den betroffenen Regionen oft Streitobjekt zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen. In Flurbereinigungs­verfahren mit dem Ziel, größere und effizienter zu bewirtschaftende landwirtschaftliche Flächen zu schaffen, war nicht selten auch die Einebnung alter Wallhecken vorgesehen. In Niedersachsen sind Wallhecken geschützte Landschaftsbestandteile. Wallhecken dürfen nicht beseitigt werden und alle Handlungen, die das Wachstum der Bäume und Sträucher beeinträchtigen, sind verboten. In Sonderfällen werden auch gehölzfreie Wälle mit Grenzfunktion als Wallhecke eingestuft.

Typische Wallheckengehölze sind

in der Baumschicht Moor-Birke, Hänge-Birke, Rot-Buche, Stiel-Eiche, Trauben-Eiche, Schwarz-Erle, Gewöhnliche Esche, Hainbuche, Zitter-Pappel und Silber-Weide. In der Strauchschicht Feld-Ahorn, Besenginster, Faulbaum, Blutroter Hartriegel, Gewöhnlicher Hasel, Schwarzer Holunder, Hunds-Rose, Kreuzdorn, Pfaffenhütchen, Schlehe, Gewöhnlicher Schneeball, Stechpalme, Vogelbeere, Grau-Weide, Ohr-Weide, Sal-Weide, Ein- und Zweigriffeliger Weißdorn

Finanzielle Förderung

Die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Friesland, Oldenburg und Vechta zählen heute mit zusammen über 5000 Kilometern Wallhecken nach Ostfriesland zu der Region in Niedersachsen mit dem dichtesten Wallheckennetz. Die Pflege dieses Landschaftsbildes gehört zu den Aufgaben der Oldenburgischen Landschaft. Als Projektpartner des Landes Niedersachsen im Förderprogramm Wallhecken im Oldenburger Land wurden bis Ende 2022 die Pflege und Sanierungsarbeiten mit 12,50 Euro pro laufendem Meter gefördert werden.

Das Förderprojekt läuft Ende 2022 aus, so dass ab 2023  in diesem Rahmen keine Möglichkeiten der Finanzierungmehr gegeben sind. Die Oldenburgische Landschaft bemüht sich auf anderem Weg, diese Kulturlandschaft zu erhalten.

typischer Pflegefall

 

 

Hutewälder

Ein Hutewald, auch Hudewald oder Hutung (früher Huth) genannt, ist ein vormaliger (Ur-)Wald, der auch oder ausschließlich als Weide zur Viehhaltung genutzt wird – anstelle der aufwendigen Rodung und Anlage von Grünland. Bei dieser auch als Waldweide bezeichneten Form der Nutzung wird das Vieh in den Wald getrieben, um dort sein Futter zu suchen. Besonders nahrhaft sind dabei Eicheln und Bucheckern sowie Blätter und Zweige junger Bäume. Dieser Verbiss reduziert je nach Anzahl der Weidetiere die Naturverjüngung der Bäume, verschafft aber den fruchttragenden großen Bäumen mehr Licht.

In unserer Instagram Kampagne haben wir das Thema auch schon behandelt.

 

Durch diese vorwiegende historische Waldnutzung, die vom Beginn der europäischen Jungsteinzeit bis über das Mittelalter hinaus üblich war, entstanden im Laufe der Zeit lichte bis fast offene, parkartige Wälder bis hin zu baumbestandenen Weiden, die früher zusammenfassend als Hutweide bezeichnet wurden. Hutewald und Hutweide sind demnach alte Kulturlandschaften und keine Naturlandschaften.

Projekt Kulturlandschaft Ammerland

Die Parklandschaft des Ammerlandes ist von einer Vielzahl typischer Kultur- und Landschaftselemente geprägt, wie z.B. der Talrinnenlandschaft, Moore, Wallhecken, Eschfluren, verschiedene Gewässerformen, Burgen, Mühlen, Kirchen und Klinkerstraßen. Landschaften verändern sich. Damit aber das Wissen um die Historie und die Entwicklung unserer Parklandschaft nicht verlorengeht, ist es wichtig, den Bestand durch Dokumentation zu sichern und ihn in einer zeitgemäßen digitalen Form zugänglich zu machen. 

Projekt “Kulturlandschaft Ammerland – digital erfasst” 

Im Rahmen des Projektes

  • sammeln Ehrenamtliche und Interessierte in Archiven und Chroniken von Kommunen und Vereinen Informationen über Kultur-und Landschaftselemente,
  • werden die gesammelten Informationen wissenschaftlich aufbereitet und
  • wird eine geeignete Datenbank zur Verfügung gestellt, die sowohl einem breiten Publikum als auchWissenschaftler*innenvon Nutzen ist

Die Datenbank soll einen vertieften Einblick in die ökologische und kulturelle Diversität der Kulturlandschaft ermöglichen und zur weiteren Auseinandersetzung mit ihr anregen.
Eine Webseite für die Datenbank wird derzeit hier aufgebaut.

Zum Sammeln der Daten und Informationen suchen wir interessierte Menschen und Vereine. Um die Weitergabe und Verarbeitung der Informationen zu testen, möchten wir zunächst mit einer Probeerhebung beginnen. Dazu wählen wir eine Region im Ammerland aus, die uns besonders geeignet erscheint. Nach der erfolgreichen Erfassung und Verarbeitung der Daten werden weitere und schließlich alle Regionen des Ammerlandes in das Projekt einbezogen.

Projektträgerin:
Oldenburgische Landschaft
Projektkoordination:
Landschaftsinformationszentrum Ammerland e. V. (LIZA)
Projektmitarbeiter*innen:
Sophie Lindemann
Dieter Grausdies GIDplus, Westerstede-Moorburg

 

Gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Gefördert mit LEADER-Mitteln der Parklandschaft Ammerland

Verein Historische Kulturlandschaften im Oldenburger Land e. V.

1849 wurde die Kolonisierung von Hudermoor auf Veranlassung des Großherzogtums Oldenburg mit exakten Vorgaben geplant. Wegen des starken Bevölkerungswachstums suchten viele eine Existenzgrundlage und waren bereit, sich im Hochmoor unter widrigsten Umständen anzusiedeln. Bis heute sind die ursprünglichen Strukturen der alten Colonie deutlich erkennbar. Der Verein Historische Kulturlandschaften im Oldenburger Land e. V. hat sich zur Aufgabe gemacht, die Besonderheiten dieser Landschaft und ihrer Entwicklung ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

Bericht in der NWZ vom 04.10.2019 

Broschüre des Niedersächsischen Heimatbundes über die 42 Kulturlandschaften in Niedersachsen

Straße der Megaltihkultur

Großsteingräber aus der Trichterbecherkultur

Zwischen Osnabrück und Oldenburg liegen über 33 solcher Großsteingräber, die zwischen 3500 und 2800 v. Chr. errichtet wurden. Sie gehören in eine Zeit, als auch in unserer Region die Menschen sesshaft wurden und ortsfeste Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Die Ablösung der vorangegangenen Jäger- und Sammlerkulturen wird als Neolithische Revolution bezeichnet.

Megalithbauten als Hauptmerkmal der Bauernkulturen, z. B. der Trichterbecherkultur (TBK) Nordmitteleuropas und repräsentieren ihre Wertvorstellungen und eine mythisch-theistische Glaubenswelt.
In einem Experiment von 1979 waren 200 Menschen notwendig, um einen 32 Tonnen schweren Steinblock zu ziehen und aufzurichten, der immer noch viel leichter war als die 100 Tonnen anderer Monumente.[25] Es ist jedoch nicht gesichert, dass dies den prähistorischen Methoden entspricht. Auch der Transport solcher Blöcke über oft viele Kilometer vom Steinbruch zum Ort des Baues (bei Stonehenge bis zu 380 km) erforderte eine ausgeklügelte Logistik, die nur einer gut organisierten größeren Gemeinschaft zur Verfügung stand

Gebiete der Megalithkultur in Europa, gelb markiert, Bild: JEW CC BY-SA 3.0

 

Verkehrsroute “Straße der Megalithkultur”

Die Straße der Megalithkultur verbindet 33 archäologische Stationen der Megalithkultur mit mehr als 70 Megalithanlagen aus der mittleren Phase der Jungsteinzeit (3500–2800 v. Chr.) in Niedersachsen.
Seit dem Jahr 2014 gibt es die 380 km lange Radroute der Megalithkultur. Der 208 km lange Hünenweg wurde von 2015 bis 2017 überarbeitet. Die drei Verkehrswege verfügen jeweils über ein eigenständiges Wegenetz.

Sie verläuft über das Gebiet von Osnabrück, Ostercappeln, Belm-Vehrte, Wallenhorst, Bramsche, Ankum, Berge, Bippen, Fürstenau, Freren, Thuine, Langen, Meppen, Sögel, Werlte, Lastrup, Cloppenburg, Visbek, Großenkneten, Wildeshausen, Dötlingen, Ganderkesee und Oldenburg.[4] Die Ausschilderung der Route fand 2008/2009 statt. Sie ist 310 Kilometer lang. An den 33 Stationen werden die Gräberfunktion bzw. -konstruktion, die Jenseits­vorstellungen, das Naturverständnis und das Alltagsleben thematisiert. Die Ferienstraße führt in einzelnen Fällen auch zu bronze- und eisenzeitlichen Grabhügel­gruppen aus jüngerer Zeit.

Europäische Geschichte

Seit dem 27. August 2013 ist die „European Route of Megalithic Culture“ offiziell als Kulturweg des Europarats anerkannt .Die Straße wird, wie auch das Projekt „Megalithic Routes“ als Ganzes, von dem in Osnabrück ansässigen „Verein Megalithic Routes e. V.“ An an dem Projekt neben der Bundesrepublik Deutschland die Niederlande, Dänemark, Schweden, Spanien, Portugal und das Vereinigte Königreich teil.

Die Straße der Megalithkultur ist ein Gemeinschaftsprojekt der folgenden Institutionen:

  • Emsland Touristik GmbH
  • Landkreis Vechta
  • Museum am Schölerberg, Osnabrück
  • Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
  • Oldenburg Tourismus und Marketing GmbH
  • Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück
  • Tourismusverband Osnabrücker Land e. V.
  • Zweckverband Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre
  • Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest

Sie wird gefördert von der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften. Finanziert wird die Straße der Megalithkultur durch EU-Mittel, die von den Tourismusverbänden und Landkreisen kofinanziert werden müssen.

Im Oldenburger Land befinden sich die Stationen 22 bis 33:

21 – Teufelssteine (Molbergen) 
22 a – Schlingsteine in Lindern-Neuenkämpen
22 b – Großsteingrab Hünensteine in Lindern-Herrensand
22 c – Großsteingrab am hohen Stein und der hohe Stein in Lindern-Garen
23 – Oldendorfer Hünensteine in Oldendorf (Lastrup)
24 a Visbeker Bräutigam in Großenkneten
24 b Heidenopfertisch in Engelmannsbäke (Visbek)
24 c–d Ahlhorner Kellersteine in Ahlhorn (Großenkneten)
25 a–c Kleinenknetener Steine in Kleinenkneten (Wildeshausen)
26 – Pestruper Gräberfeld in Pestrup (Wildeshausen)
27 a – Hohe Steine in Wildeshausen 
27 b Bargloyer Steinkistein in Bargloy (Wildeshausen) 
28 a Visbeker Braut in Aumühle (Wildeshausen)
28 b Große Steine bei Thölstedt 
29 a–b Reckumer Steine bei Harpstedt
30 a Gerichtsstätte Großsteingrab bei Dötlingen 
30 b–d Glaner Braut Großsteingrab bei Wildeshausen Dötlingen
31 – Großsteingrab Steenberg, auch „Hatten 2“ genannt, in Kirchhatten
32 a–b – Hünensteine von Steinkimmen (Gemeinde Ganderkesee) 
33 – Große Steine von Stenum (Ganderkesee)

Anfang 2023 sollen die Steine mittels “augmentet reality” begehbar sein. Nähere Infos zur Veröffentlichung der geplanten App folgen.

 

Zurück zur Übersicht