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Kulturlandschaft Wallhecke

In Deutschland gibt es keine Gebiete mehr, die nicht vom Menschen geformt, gestaltet und genutzt wird. Neben urban, industriell und wirtschaftlich genutzten Flächen sind dies auch natürliche Landschaftsformen wie Wald, Wiese und Agrarfläche. Historisch gewachsene Naturlandschaften sind beispielsweise Hudewälder, Streuobstwiesen oder Heide.

Kulturlandschaft “Wallhecke”

Kulturlandschaft “Wallhecke”

Im Oldenburger Land ist die prägnanteste Kulturlandschaft die der Wallhecken. Das sind mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Erdwälle, die im Rahmen der historischen Landnutzung hauptsächlich zur Umzäunung von Acker- und Weideflächen angelegt wurden. Das Anlegen von Wallhecken erfolgte bis in das 19. Jahrhundert hinein vorwiegend aus der Notwendigkeit heraus, in der waldarmen Landschaft wertvolles Ackerland vor dem freilaufenden Allmende-Vieh zu schützen, eine Grenzziehung zum Nachbargrundstück vorzunehmen und eine Quelle für Brenn- und Nutzholz sowie als Laubheulieferant zu schaffen. Zudem schützten sie vor Winderosion. Gräben am Wallheckenfuß dienten der Entwässerung der angrenzenden Nutzflächen. Aufgrund dieser Nutzungsmöglichkeiten war die arbeitsaufwendige Errichtung und Pflege der Wallhecken in der damaligen Zeit für die Landbevölkerung von großem Vorteil und sinnvoll.

gesunde Wallhecke

Andere Namen für Wallhecken sind Knick, Öwer oder Över. In Frankreich, Großbritannien und Belgien bezeichnet man eine durch Wallhecken geprägte Landschaft als Bocage. In ländlichen oder auch vormals ländlichen Gegenden Norddeutschlands tragen vielerorts Straßen den Namen “Knick”. Wird eine Straße beiderseitig von Wallhecken begrenzt, so ist dafür der Begriff Redder verbreitet. Trittstufen zum Überqueren eines Grabens oder einer Wallhecke heißen Stegel oder niederdeutsch „Steggelsch“. Wallhecken-Grünlandkomplexe haben sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem eigenen Lebensraum für Flora und Fauna entwickelt.  In der Intensivlandwirtschaft können Wallhecken die mechanische Bodenbearbeitung behindern. Wallheckenlandschaften sind in den betroffenen Regionen oft Streitobjekt zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen. In Flurbereinigungs­verfahren mit dem Ziel, größere und effizienter zu bewirtschaftende landwirtschaftliche Flächen zu schaffen, war nicht selten auch die Einebnung alter Wallhecken vorgesehen. In Niedersachsen sind Wallhecken geschützte Landschaftsbestandteile. Wallhecken dürfen nicht beseitigt werden und alle Handlungen, die das Wachstum der Bäume und Sträucher beeinträchtigen, sind verboten. In Sonderfällen werden auch gehölzfreie Wälle mit Grenzfunktion als Wallhecke eingestuft.

Typische Wallheckengehölze sind

in der Baumschicht Moor-Birke, Hänge-Birke, Rot-Buche, Stiel-Eiche, Trauben-Eiche, Schwarz-Erle, Gewöhnliche Esche, Hainbuche, Zitter-Pappel und Silber-Weide. In der Strauchschicht Feld-Ahorn, Besenginster, Faulbaum, Blutroter Hartriegel, Gewöhnlicher Hasel, Schwarzer Holunder, Hunds-Rose, Kreuzdorn, Pfaffenhütchen, Schlehe, Gewöhnlicher Schneeball, Stechpalme, Vogelbeere, Grau-Weide, Ohr-Weide, Sal-Weide, Ein- und Zweigriffeliger Weißdorn

Finanzielle Förderung

Die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Friesland, Oldenburg und Vechta zählen heute mit zusammen über 5000 Kilometern Wallhecken nach Ostfriesland zu der Region in Niedersachsen mit dem dichtesten Wallheckennetz. Die Pflege dieses Landschaftsbildes gehört zu den Aufgaben der Oldenburgischen Landschaft. Als Projektpartner des Landes Niedersachsen im Förderprogramm Wallhecken im Oldenburger Land wurden bis Ende 2022 die Pflege und Sanierungsarbeiten mit 12,50 Euro pro laufendem Meter gefördert werden.

Das Förderprojekt läuft Ende 2022 aus, so dass ab 2023  in diesem Rahmen keine Möglichkeiten der Finanzierungmehr gegeben sind. Die Oldenburgische Landschaft bemüht sich auf anderem Weg, diese Kulturlandschaft zu erhalten.

typischer Pflegefall
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