Im Laufe seiner historischen Entwicklung, veränderten sich die Grenzen dieses Gebietes immer wieder. Zuletzt fanden solche Veränderungen im Zuge der Kreisgebietsreformen noch in den 1970er Jahren statt. Zum Oldenburger Land hinzu kamen Gödens (1972), Gehlenberg, Wachtum und Vörden (jeweils 1974) sowie die Samtgemeinde Harpstedt (1977). Idafehn, Stuhr und Landwürden gingen hingegen an andere Landkreise über (1974) und gehören politisch nicht mehr zum Oldenburger Land. Die Grenzen des ehemaligen Herzogtums und des früheren Freistaates Oldenburg sind noch heute am Zuständigkeitsbereich der Ev.-Luth. Kirche Oldenburg und dem des Offizialatsbezirks Oldenburg des Bistums Münster sichtbar. Die heutigen „Grenzen“ stellen hingegen den Wirkungsbereich der Oldenburgischen Landschaft dar, die seit 1975 für Erhalt, Pflege und Förderung von Kultur und Naturschutz im Oldenburger Land eintritt.
Das Oldenburger Land zeichnet sich durch seine Vielfältigkeit aus. Moor, Marsch und Geest bilden unterschiedliche Naturräume, die stets auch Einfluss auf das Leben ihrer Bewohner nahmen. Die Landschaftsbilder dieses 5.724 km² großen Gebiets sind sehr unterschiedlich. Dazu zählt das niedersächsische Wattenmeer, das mit seiner Flora und Fauna eine große Besonderheit darstellt. Auch der Neuenburger Urwald, die Urwälder Baumweg zwischen Cloppenburg und Ahlhorn und Hasbruch bei Hude stellen beeindruckende Naturschutzgebiete dar. Zahlreiche Erholungsgebiete bieten ein facettenreiches Tourismusangebot.
Jede Region des Oldenburger Landes zeichnet sich bis heute durch ihren ganz eigenen Charakter aus. Auf der einen Seite Schifffahrtsgeschichte, Werften, Deichbau und prunkvolle Höfe wohlhabender Marschenbauern, auf der anderen Seite ehemalige Moorkolonien als Zeugnisse der mühevollen Urbarmachung der Landschaft. Friesischer Stolz hoch im Norden und findiges Unternehmertum sowie frühe zukunftsorientierte Industrieentwicklung tief im Süden. All dies und noch viele weitere Facetten sind noch immer spür- und erlebbar.
Auch sprachlich ist die Region des Oldenburger Landes vielfältig. Neben Hochdeutsch wird im täglichen Leben vieler Einwohner auch Niederdeutsch gesprochen. Dabei ist außerdem zwischen verschiedenen Dialekten zu unterscheiden: Während die Bewohner der Landkreise Cloppenburg und Vechta „Südoldenburger Platt“ sprechen, ist im Rest des Oldenburger Landes vom „Nordoldenburger Platt“ die Rede. Im Norden des Landkreises Friesland ist das „Jeverländer Platt“ zu hören, das dem Ostfriesischen bereits sehr ähnlich ist. Und noch eine dritte Sprach ist im Oldenburger Land lebendig: In der kleinsten Sprachinsel Europas, dem Saterland, im nördlichen Landkreis Cloppenburg, wird noch immer das vom Aussterben bedrohte Saterfriesisch gesprochen.
Die Stadt Oldenburg ist heute Oberzentrum und Verwaltungsstadt. Die ehemalige Residenz kluger, kultivierter Grafen und Herzöge, wie Anton Günther und Peter Friedrich Ludwig, zeigt sich heute als Universitätsstadt. Neben der Carl von Ossietzky Universität befindet sich hier auch eine Zweigstelle der Jade Hochschule, die außerdem Standorte in Elsfleth und Wilhelmshaven hat. Im Oldenburger Münsterland ist die Universität Vechta angesiedelt.
Modernität in Wirtschaft und Technik zeigt sich beispielsweise am Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven, der seit 2012 in Betrieb ist. Wo ganz in der Nähe einst die kaiserliche Marine ihren Nordseehafen hatte, werden heute Container umgeschlagen. Energieerzeugung findet im Oldenburger Land im Norden vermehrt durch Windkraft statt, wo die Nutzung des Windes durchaus Tradition hat. So standen zum Beispiel in der Wesermarsch um 1900 über 120 Windmühlen. Im stark durch Landwirtschaft geprägten Süden wird heutzutage großenteils Energie in Biogasanlagen gewonnen.
Die vielen Facetten des Oldenburger Landes zeigen in Zusammenschau, dass Tradition und Modernität durchaus eng beieinanderliegen. Ein Blick auf das Jetzt zeigt auch immer ein Stück Geschichte.
Autor: Sabrina Kolata
Fotos: Pixabay
Die angesiedelten Russlanddeutschen konnten sich eine Existenz aufbauen, Häuser bauen und mit russischen Supermärkten sowie allen Einrichtungen des täglichen Bedarfs eine Gesellschaft schaffen, mit der sie meist unter sich bleiben. Vor allem die „Freie Evangeliumschristengemeinde“, die sogenannten Pfingstler, grenzen sich ab. Doch nicht alle der zugezogenen Russlanddeutschen gehören der Freikirche an. Für die Evangelische Kirche Oldenburg machen sie etwa 10 % der evangelisch-lutherischen Christen aus. Als Ansprechpartner, der den neuen Mitgliedern der Diasporagemeinden im katholisch geprägten Südoldenburg Hilfe bei der Einfindung anbietet, hat die Ev. Kirche sogar einen Aussiedlerbeauftragten in Molbergen eingesetzt.
Autor: Sabrina Kolata
Internetquellen
Russen auf dem platten Land. In Cloppenburg hat sich eine Parallelgesellschaft von Spätaussiedlern gebildet. Von Renée Willenbring, Deutschland Radio Kultur, Länderreport/Archiv, Beitrag vom 12.05.2009. http://www.deutschlandradiokultur.de/russen-auf-dem-platten-land.1001.de.html?dram:article_id=156799➚, Stand 8.06.2015.
http://www.kirche-oldenburg.de/themen/seelsorge-beratung/aussiedlerseelsorge.html➚, Stand 8.06.2015.
Unterrichtsmaterial
- Kleine Landeskunde (PDF, 1.607 KB)