Hörstation 1 – Vorgarten
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Herzlich willkommen im Haus Gartenstraße 7 – Ein Haus mit langer und wechselvoller Geschichte. Und heute ein Haus der Netzwerke, denn es ist der Sitz der Oldenburgischen Landschaft. Sie ist ein Verband, der für Natur, Kultur und Tradition des ehemaligen Landes Oldenburg eintritt, dem heutigen Oldenburger Land. Dies tut sie mithilfe der Kommunen, verschiedener Partnerinstitutionen der Region und fast 500 Ehrenamtlichen, die sich in vielfältigen Themenfeldern engagieren.
Die Villa Gartenstraße 7 stammt aus dem Jahr 1824. Um jedoch den Kontext ihrer Entstehung zu verstehen, gehen wir noch ein wenig weiter zurück in die Vergangenheit und befinden uns im Jahr 1806/1807. Herzog Peter Friedrich Ludwig ist Regent und ist dabei, Oldenburg wieder den Glanz einer Residenzstadt zu verleihen. Sein Mittel: Der Umbau der gesamten Stadt im damals aktuellen Baustil – dem Klassizismus. Nach der Verspieltheit von Barock und Rokoko wandten die Menschen in Europa sich von einer Überfrachtung durch Ornamentik ab und einer sehr viel kühleren Formensprache zu. In Anlehnung an die Antike bedienten sich die Architekten nun einfacher geometrischer Formen und setzten auf Klarheit und Symmetrie. Peter Friedrich Ludwig, der als sehr fortschrittlich, gebildet und viel gereist galt, wollte Oldenburg mithilfe dieses Baustils ein neues Gesicht verleihen. In diesem Zuge ließ er auch den Oldenburger Schlossgarten im Stil eines englischen Landschaftsgartens anlegen, der die ungezwungene Schönheit der Natur hervorstellt. Die Umsetzung verzögerte sich aufgrund der Besatzung Oldenburgs durch Napoleon und wurde erst in den Jahren 1814/15 weitergeführt. Die einheitliche Bebauung der angrenzenden Zufahrtsstraße sollte als Gegengewicht dienen. Die heutige Gartenstraße säumen daher heute noch viele klassizistische Häuser auf großangelegten, parkähnlichen Grundstücken.
Im Jahr 1824 ließ Advokat Carl Scholtz in der heutigen Hausnummer 7 einen schlichten, quaderförmigen Bau mit einem flachen Walmdach und einem zentralen Eingang erbauen. Bei einem Walmdach fallen nicht nur die zwei langen Seiten, sondern auch die kurzen Seiten des Giebels schräg ab. Ob es sich bei dem Bauherrn Scholtz um den damaligen Bürgermeister Carl Christian Scholtz handelte oder um dessen Sohn Caspar Gottlieb Carl Scholtz, der 1829 ebenfalls Bürgermeister wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Der verantwortliche Architekt war vermutlich der Leiter der herzoglichen BauverwaltungHeinrich Carl Slevogt.
Das Haus verblieb zunächst im Besitz der Familie Scholtz bis es1892 der Großherzogliche Archivrat Dr. Georg Sello ankaufte. Sello ließ durch das Oldenburger Bauunternehmen Schelling einige Umbauten vornehmen.
Nach nur fünf Jahren verkaufte Sello das Haus aus unbekannten Gründen wieder. Der neue Eigentümer war der Tabakkaufmann Wilhelm Julius Gustav Tölken aus Bremen, der mit seiner Frau, seinem Sohn und seinen beiden Töchtern einzog. Eine weitere Tochter wurde hier geboren. Doch zuvor ließ er die viel zu kleine Villa von den Bremer Architekten Georg Eduard Gildemeister und Wilhelm Sunkel zu einem repräsentativen Wohnhaus im historistischen Stil umbauen. Dies war im Jahr 1897. Die beiden Architekten integrierten den vorhandenen Bau und fügten ihm zum Garten hin einen Anbau mit drei Geschossen an. Den Eingang verlegten sie in einen verbindenden Zwischentrakt an die Seite. Als gestalterisches Gegengewicht setzten sie auf die andere Gebäudeseite eine halbüberdachte Terrasse aus Glas und Gusseisen an. Die feingliedrigen Sprossen der Fenster und die Ornamente zwischen und über den oberen Fenstern weisen bereits auf den Jugendstil hin. Andere Gestaltungsformen zeugen von Gildemeisters Kenntnissen italienischer Architektur, wie zum Beispiel die sogenannten Loggien: Dies sind teilweise mit Rundbögen überdachte Balkone, die in toskanischen Sommern für Abkühlung sorgen. Steinquader an den Hausecken und im Eingangsbereich sind bewusst rau und uneben gelassen. Diese sogenannte Rustizierungen erinnern an italienische Palazzoarchitektur Der Windfang im Eingang wurde schließlich mit italienischem Marmor verkleidet.
Treten Sie nun ein und erfahren Sie im Inneren mehr über die Geschichte des Hauses an der Hörstation 2.

