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Hörstation 5 – Erste Etage

Hörstation 5 – Erste Etage

—AUDIOSPUR—

Bis etwa 1938 lebte der Jurist Gustav Ahlhorn mit seiner Frau Malvina und seinen drei Kindern in der Gartenstraße 7. Malvina war die zweite Tochter der Tölkens – der Familie, die das Gebäude 1897 erworben und umbauen lassen hatte. Gustav Ahlhorn war das erste weltliche Mitglied des Oberkirchenrates der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg und für das dortige Finanzressort verantwortlich. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren und die Gleichschaltung der Kirche vorantrieben, weigerte sich Ahlhorn, die Übertragung von Befugnissen an die Reichskirche zu unterschreiben und erklärte seinen Rücktritt. Der Verlust seines Amtes führte ihn nach Hannover, doch der Amtsantritt bei der dortigen Landeskirche wurde ihm verwehrt.

Im Jahr 1939 starb Ahlhorns Frau Malvina. Nach einiger Zeit in der Rekrutierungsstelle wurde er als Major im Krieg eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Zurück in Hannover ernannte man ihn nach dem Krieg zum Präsidenten der deutschen Kriegsgräberfürsorge.

Die Spurensuche geht weiter: Im Oldenburger Adressbuch von 1937 sind als Bewohner des Hauses Gartenstraße 7 genannt: die „Erben Tölkens“, mit denen Gustav und Malvina Ahlhorn sowie deren drei Kinder gemeint sein dürften, aber auch noch weitere Bewohner.

Bei diesen weiteren Bewohnern handelte es sich neben einem Theodor Thieß, Facharzt für Chirurgie, um zwei Schwestern der Familie Ibbeken, die aus dem Jeverland und der Wesermarsch stammt. Von einer späteren Postkarte des Bruders Heinrich Georg Ibbeken wissen wir, dass er und seine Frau im Jahr 1947 in der Gartenstraße 7 lebten, außerdem noch vier Flüchtlinge. Und ein späterer Bericht des Architekturbüros Herrmann & Angelis von 1978 erwähnt, dass die beiden Balkone des Hauses mit Brettern versehen waren. Vermutlich wurde dadurch mehr Wohnraum für die Bewohner geschaffen.

In den 1950er Jahren bis hinein in die 1960er Jahre gehörte das Haus dem Ehepaar Hedwig und Dr. Heinz Willers, die hier eine Zahnarztpraxis führten. Es ist nicht überliefert, ob zu dieser Zeit die Treppe entfernt wurde – vielleicht um die Praxisräume von den Wohnräumen zu trennen – oder ob diese bereits zu Kriegszeiten bzw. kurz danach entfernt worden war. Neben den Willers lebten noch weitere Personen zur Miete im Haus.

Um 1963 kaufte die Energieversorgung Weser-Ems (EWE) das Gebäude. Nebenan in der Hausnummer 8 befand sich zu dieser Zeit das „Haus der Frau“ mit einer „Hauswirtschaftlichen Beratungsstelle“. Dazugehörig richtete die EWE nun in der Nummer 7 eine Gaslehrküche ein. Dabei wurde der Erdgeschossgrundriss stark verändert.

Anfang der 1970er Jahre war die Bausubstanz in schlechtem Zustand und das Gebäude entsprach nicht mehr den Anforderungen. Der Abbruch stand im Raum. Doch 1974 stufte die Stadt Oldenburg das Haus als denkmalwürdig ein und stellte es unter Schutz.

Daraufhin entwickelte die EWE ein denkmalschutzgerechtes Umbaukonzept und reichte 1978 den Bauantrag zur Sanierung der Gartenstraße 7 ein. Die historische Bausubstanz wurde erhalten, gleichzeitig aber auch einer modernen Nutzung entsprochen. Das lässt sich beispielsweise an der Gartenseite erkennen, wo die Architekten einen Schulungsraum mit moderner Fensterfront einrichteten.

Seit Dezember 1979 ist die Oldenburgische Landschaft als Mieterin mit ihrer Geschäftsstelle in den Räumlichkeiten untergebracht. 2025/26 veranlasste die EWE erneut umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen.

Heute präsentiert sich die Gartenstraße 7 in einem stimmigen Gegensatz von Alt und Neu und kann nun seine wechselvolle Geschichte in die Zukunft tragen.

Hier enden die Hörstationen.

 

 

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