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Sportstätten als Erinnerungsorte
Turnhallen, Stadien, Schwimmbäder und Sportplätze sind Orte, an denen viele Menschen ihre Zeit verbringen – allein oder gemeinsam. Zahlreiche Sportstätten existieren bereits seit über hundert Jahren, doch die wenigsten Menschen wissen etwas über die Geschichte der Orte, die sie regelmäßig im Alltag aufsuchen. Denn Sportstätten waren nur selten ausschließlich Orte des Sports: Sie erfüllen bis heute wichtige soziale und identitätsstiftende Funktionen. Als Erinnerungsorte sind sie Speicher kollektiver Erfahrungen und gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.
Das Projekt „Sportstätten als Erinnerungsorte“ hat zum Ziel, die Geschichte und gesellschaftliche Bedeutung von Sportstätten sichtbar zu machen und stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Es baut auf dem bereits erfolgreich durchgeführten Vorgängerprojekt (2021-2023) „Unpolitische Orte? Sportstätten und ihre gesellschaftliche Bedeutung“ auf, in dem Integrations- und Ausgrenzungsmechanismen an Sportstätten zwischen 1930 und 1970 erforscht wurden. Gemeinsam mit Jugendlichen entstanden dabei individuelle Teilprojekte, deren Ergebnisse in Form von Ausstellungen, Podcastfolgen sowie schriftlichen Beiträgen und einem eigenen Sammelband festgehalten wurden.
Während der bisherige Fokus auf Sportstätten im Oldenburger Land lag, werden im Rahmen des neuen Projekts (2026-2028) die Untersuchungsperspektiven erweitert. Auch das Netzwerk an Kooperations- und Forschungspartnern soll ausgebaut werden.
Ausstellung: Ein Gefühl, das bleibt. Mit fünf Sinnen durch das Vereinsleben des Oldenburger Turnerbunds (15. – 26. April 2026, Forum St. Peter in der Peterstr. 22-26, geöffnet Mi – So, jeweils 12 – 18 Uhr)
Eine Mitgliedschaft in einem Sportverein ist oft mit besonderen Erinnerungen verbunden. Das Quietschen von Turnschuhen auf dem Hallenboden, der Geruch der Sporthalle, der Applaus nach einem Wettkampf. Sportvereine sind voller Sinneseindrücke, die sich tief ins Gedächtnis einprägen. So werden Sportvereine für uns zu Orten der Erinnerung. Doch was genau sind Erinnerungsorte? Und wie funktioniert eigentlich unsere Erinnerung?
Über unsere Sinne nehmen wir Reize auf und speichern sie ab. Unsere Wahrnehmung bildet damit die Grundlage für Erinnerungen und Gefühle. Werden erneut ähnliche Reize wahrgenommen, können Erinnerungen geweckt und hervorgerufen werden.
Wenn viele Menschen diese Erinnerungen teilen und ihnen eine besondere Bedeutung zuschreiben, spricht man von Erinnerungsorten. Dabei handelt es sich nicht immer um physische oder geografische Orte. Auch gemeinsame Ereignisse, prägende Personen, Symbole oder bedeutende Momente können solche Orte sein. Ein Erinnerungsort bewahrt Erinnerungen, sodass sie immer wieder erlebt werden können.
In mehr als 160 Jahren Vereinsgeschichte haben sich im Oldenburger Turnerbund (OTB) zahlreiche Eindrücke angesammelt und gemeinsame Erinnerungen geformt. Manche sind Teil der Stadtgeschichte geworden, andere leben in den persönlichen Erzählungen und Erfahrungen der Mitglieder weiter.
Die Ausstellung „Ein Gefühl, das bleibt“ lädt dazu ein, den Oldenburger Turnerbund als Erinnerungsort zu entdecken. Entlang der fünf Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Schmecken – führt sie durch über 160 Jahre Vereinsleben. An fünf Stationen wird erfahrbar, wie Erinnerungen entstehen, wie sie kollektiv geteilt werden und warum bestimmte Gefühle über Generationen hinweg bestehen.
Konzipiert und realisiert wird die Ausstellung von Studierenden des Masterstudiengangs „Museum und Ausstellung“ der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
RIECHEN: Sport ist Ort
Der OTB verfügt über 30 verschiedene Sportstätten. Viele Sportarten benötigen zur Ausübung spezielle Bodenbeläge, deren Eigenschaften den SpielerInnen bestens vertraut sind. Beim Tennis verlangsamt der Ascheplatz nicht nur den Ball und sorgt für ein kontrolliertes Spiel, sondern bringt auch einen unverwechselbaren staubigen Geruch mit sich. Gerüche können Erinnerungen besonders stark binden und wieder hervorrufen. An einer interaktiven Station können verschiedene Düfte der Bodenbeläge den jeweiligen Sportarten zugeordnet werden.
Ein einprägsamer Geruch Bis in die 1960er Jahre turnte man auf dem Loheboden. Ein Gemisch aus Tannensägemehl, Salz und Sand sorgte für weiche, sichere Landungen. Der Boden war zwar praktisch, aber aus heutiger Sicht unhygienisch. Trotzdem vermissen viele TurnerInnen den starken Geruch bis heute. Wie riechen Turnhallen für dich?
SEHEN: Zwischen den Zeilen
Im OTB gibt es viel anzuschauen: Pokale an den Wänden, Gedenktafeln in der Turnhalle, die Jahnstatue vor dem Vereinsheim. Vereine erinnern mit vielen Gegenständen an besondere Personen: Deutsche MeisterInnen, engagierte Mitglieder oder prägende Persönlichkeiten der Sportgeschichte.
Wer gezeigt wird, gilt als wichtig und hat sich die Auszeichnung verdient. Doch viele Personengruppen werden dabei systematisch vergessen oder nicht in die (Vereins-)geschichte miteinbezogen. Beispielsweise prägten Frauen den OTB über Jahrzehnte, als Sportlerinnen, Trainerinnen, Mitglieder und Organisatorinnen, aber bleiben trotzdem oft unsichtbar.
Die Station “Sehen” der Ausstellung hinterfragt das aktive Totengedenken im Verein und den Umgang mit FLINTA-Personen im Sport.
FLINTA* FLINTA* steht für Frauen, Lesben, inter*, nicht-binäre*, trans* und agender Personen. Der Begriff bündelt unterschiedliche Identitäten, die häufig von Diskriminierung oder Ausschluss betroffen sind. FLINTA*-Räume schaffen Sichtbarkeit, stärken Selbstbestimmung und fördern solidarische Teilhabe.
TASTEN: Turnen im Wandel
Geräte und Übungen im Sport folgen festen Normen und orientieren sich an einem durchschnittlichen, meist männlichen „Idealkörper“. Einheitliche Maße sollen Vergleichbarkeit schaffen und Wettkämpfe fair machen. Doch Körper sind individuell, deshalb können Geräte zu hoch, Griffe zu dick oder Gewichte zu schwer sein. Fair bedeutet nicht automatisch passend für alle. Normen betreffen jedoch nicht nur Geräte, sondern auch Menschen. Der Turnlehrer Salomon Mendelssohn setzte sich bereits im 19. Jahrhundert dafür ein, dass neben Jungen auch Mädchen turnen durften. Auch die frühe Turnerbewegung war von Vereinheitlichung geprägt. Junge Männer sollten ihren Körper trainieren, Bewegungen angleichen und sich unterordnen. Turnen war damit nicht nur körperliche Ertüchtigung, sondern auch Ausdruck politischer Vorstellungen der damaligen Zeit.
Normierte Körper Normen sollen gleiche Bedingungen für alle schaffen, zumindest auf dem Papier. Doch viele Standards orientieren sich an bestimmten Körpern. Nicht jeder Mensch passt in diese Maße. Auch Medizinbälle sind genormt, denn Größe und Gewicht richten sich nach Kraft und Handgröße. Für Frauen gibt es eine kleinere, leichtere Variante. Welcher Ball passt zu dir? Probiere es in der Ausstellung aus.
HÖREN: Verein(t) im Klang
Viele Erinnerungen werden im Archiv des OTB gesammelt, doch ein großer Teil von ihnen existiert nur in mündlicher Form. Es sind Geschichten, Erzählungen und Gespräche, die zum gemeinsamen Gedächtnis des Vereins beitragen. Manche bleiben nur so lange lebendig, wie Menschen sich an sie erinnern. Andere halten sich über Generationen hinweg, etwa die vielen Lieder, die gemeinsam gesungen und so weitergegeben werden. Ein wichtiger Ort für Musik und Austausch war lange das Vereinsheim. Dort trafen sich die Mitglieder regelmäßig nach dem Training, berichteten von Erlebnissen und tauschten Neuigkeiten aus. An der Station „Hören“ kannst du dich zurücklehnen und den Anekdoten zweier Mitglieder lauschen oder dich auf eine Wanderung begeben, zumindest musikalisch.
Eine Kohlfahrt, die ist lustig!
Zu besonderen Anlässen schrieben die Mitglieder eigene Lieder. Manche erzählen von Kohlfahrten und Grünkohl, andere nennen befreundete Mitglieder beim Namen. Die Texte feiern Gemeinschaft und geteilte Lebensfreude. Gesungen werden sie oft auf bekannte Volksliedmelodien. Dadurch sind sie eingängig und laden alle zum Mitsingen ein.
SCHMECKEN: Gemeinschaft geht durch den Magen
In Turnvereinen stand die Gemeinschaft von Anfang an im Vordergrund. Der Verein war ein Treffpunkt für Austausch und Bildung. So gehörten Theateraufführungen, politische Diskussionen und gesellige Abende selbstverständlich zum Vereinsalltag. Sogar ein Zirkus und eine Feuerwehr waren Teil des OTB. Das Gefühl von Gemeinschaft prägt Vereine bis heute stark. Gemeinsame Erlebnisse sind dafür besonders wichtig. Denn Freundschaft entsteht nicht nur bei der Verausgabung während des Sports, sondern beim Essen nach dem Boßeln oder beim Anstoßen auf Vereinsfeiern.
In diesem Abschnitt der Ausstellung kannst du mit der Süßigkeit „Turm Sahne“ im Mund die kreativen Kostüme der legendären Sockenbälle des Vereins bestaunen und durch zahlreiche Fotografien aus den letzten 160 Jahren blättern.
Von kalten Wintern und grünem Kohl
Grünkohl ist nicht nur regional tief verankert, sondern auch mit dem OTB untrennbar verbunden. Am 15. Januar 1871 unternahmen Turner eine Winterfahrt. Bei eisigen Temperaturen kehrten sie in eine Gaststätte in Wiefelstede ein. Serviert wurde Grünkohl mit Pinkel. Der Turner Georg Propping dokumentierte diese erste Kohlfahrt der Turner in seiner handschriftlichen Chronik. Seitdem heißt es jedes Jahr: gemeinsam wandern und anschließend das Kohlessen genießen.
Das Rahmenprogramm
Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm (Veranstaltungsort, bzw. Treffpunkt ist immer das Forum St. Peter, Peterstr. 22-26, Oldenburg)
16. April, 15-17 Uhr: Offene Führung mit Kaffee, Klönen & Kuchen 18. April, 14-16 Uhr: Gesprächsrunde zu Salomon Mendelssohn (wichtige Persönlichkeit für das frühe Turnwesen in Oldenburg und Förderer des Mädchensports im Oldenburger Land): Hartmut Peters (GröschlerHaus Jever – Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland/Wilhelmshaven) im Austausch mit Sabrina Mudrak (Studiengang „Museum und Ausstellung“) 19. April, 14-16 Uhr: FLINTA*-Führung mit Diskussion 23. April, 16-17 Uhr: Führung im OTB-Archiv 24. April, 14-15 Uhr: Kuratorische Führung 26. April, 15-18 Uhr: FLINTA*-Boßeln (alkoholfrei)
*FLINTA steht für Frauen, Lesben, Inter*, nicht-binäre*, trans* und Agender-Personen.
Der Studiengang „Museum und Ausstellung“
Das Ausstellungsprojekt ist Teil des Masterstudiengangs Museum und Ausstellung und bildet die wichtigste praktische Einheit des Studiums. Dabei übernehmen die elf Studierenden alle Schritte des Projekts selbst: von der ersten Recherche über die Entwicklung des Ausstellungskonzepts bis hin zur inhaltlichen, praktischen und gestalterischen Umsetzung. Auch das begleitende Rahmenprogramm wird von ihnen eigenständig konzipiert und organisiert.
Das Projekt „Sportstätten als Erinnerungsorte“ unter der Trägerschaft der Oldenburgischen Landschaft wird gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Stiftung Niedersachsen und die VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland.
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