Projekt Bildgedächtnis Weser-Ems (BIG WE)
Abschlusstagung fand im Kulturzentrum PFL statt
03/26 GS
Oldenburg. Am Freitag, den 16. Januar, fand im Kulturzentrum PFL in Oldenburg die Abschlusstagung „Bildgedächtnis und regionale Identität“ des Pilot- und Digitalisierungsprojekts „Sturmfest und erdverwachsen? Visuelle Medien als Spiegel regionaler Identität: Das Bildgedächtnis Weser-Ems“ (BIG WE) statt. Mit der Tagung wurde der erfolgreiche Abschluss des gemeinsamen Projekts der Oldenburgischen Landschaft, des Schlossmuseums Jever und des Museumsdorfs Cloppenburg begangen. Die Direktorin der Oldenburgischen Landschaft Dr. Franziska Meifort eröffnete die Tagung: „Wir freuen uns über das große Interesse und die rege Teilnahme an unserer Abschlusstagung. Das zeigt uns, welche Relevanz unser Projekt für die Region hat und dass das Thema der Tagung aktuell ist.“
Auf der Tagung wurde der Frage nachgegangen, wie visuelles Gedächtnis und regionale Beheimatung miteinander zusammenhängen. Dies geschah anhand verschiedener Vorträge, die zudem die konkrete Arbeit an den Bildquellen erläuterten und aufzeigten, welche archivalischen und digitalen Herausforderungen mit der Pflege von Bildarchiven einhergehen. Jeweils im Mittelpunkt des Vorgestellten stand der dokumentarische Wissensgewinn.
Einleitend stellten die Projektpartner des BIG WE das Projekt vor, um die Bedeutung der bearbeiteten und nun online zugänglichen Bestände des BIG WE aufzuzeigen: Projektkoordinatorin Gesa Soetbeer präsentierte die Forschungen zum Heimatfotografen Heinrich Kunst sowie die Erschließungsarbeiten an dessen fotografischem Nachlass. Dieser ist ein zentraler Bildbestand des BIG WE ist und befindet sich im Bildarchiv der Oldenburgischen Landschaft. Mit Blick auf den Umfang des Bestandes kündigte sie an: „Um die Forschungen an diesem Bestand, vor allem an den Bildern der 1920er und 1930er Jahre, vertiefen zu können, haben wir bereits einen Antrag für ein Folgeprojekt BIG WE 2.0 gestellt. Denn zur Darstellung dieser Bilder bedarf es besonderer Einordnung und Kontextualisierung.“ Hintergrund ist, dass hier die Heimatbewegung und die Zeit des Nationalsozialismus eine Rolle spielen. Anschließend stellte Dr. Björn Bertrams, wissenschaftlicher Volontär des Museumsdorfes Cloppenburg, die Arbeiten am Bauzeichnungsarchiv vor, das ein Alleinstellungsmerkmal des BIG WE ist. Dr. Andreas von Seggern sprach über das Bildarchiv des Schlossmuseum Jevers und die Herausforderungen der Digitalisierung großer Bildbestände.
Nach der Vorstellung des Projektes BIG WE folgten weitere Vorträge, die sich mit der Forschung an verschiedenen Bildbeständen auseinandersetzten. Cai-Olaf Wilgeroth etwa stellte die Sammlung historischer Glasnegativplatten der „Müllerschen Werkstatt“ in Neuenburg vor. Katrin Eden vom Gemeindearchiv Bad Zwischenahn stellte in ihrem Praxisbericht exemplarisch vor, wie sich die konkrete Arbeit auch mit ehrenamtlicher Unterstützung darstellt. Besondere Bedeutung kam diesem Beitrag zu, da das Gemeindearchiv als erster neuer Projektpartner des BIG WE auch auf dem Portal Kulturerbe.Niedersachse.de vertreten ist.
Auf der Tagung wurde der Blick aber auch über die Region Weser-Ems hinaus geweitet: So erklärte Prof. Dr. Gudrun König am Beispiel eines Modefabrikanten aus Laer bei Münster, dass ein lokaler Bildbestand nicht zwangsläufig für die Region Spezifisches abbilden muss, sondern vielmehr auch dafür stehen kann, dass die Mode der Zeit auch in eine ländliche Region Einzug hielt. Dies kontrastierte sie mit ideologisierter Fotografie der NS-Zeit, die unbedingt regionale Identität anhand von Trachten und Handwerk abbilden wollte, auch wenn diese gar nicht historisch korrekt waren. Damit lieferte sie ebenso eindrückliche Beispiele dessen, was Bilder nicht zeigen. Außerdem beschrieb Marsina Noll vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde mit einem Blick in die Geschichte der DDR, wie die Dokumentation von Dörfern anhand von Bauzeichnungen und Fotografien vor dem Hintergrund staatlicher Ideologie stattfand. Im letzten Vortrag der Tagung erklärte schließlich Prof. Dr. Thomas Etzemüller am Beispiel des „Romantischen Rheins“, welche Wechselwirkungen konstruierte Bilder einer Landschaft und Seherwartungen haben, etwa beeinflusst durch die zeitgenössische Kunst oder durch touristische Interessen. Um die Bedeutung des Projektes und der Tagung zu würdigen, werden alle Vorträge noch als Online-Veröffentlichung auf den Seiten der Oldenburgischen Landschaft nachzulesen sein.
Mehr zum Projekt: Bildgedächtnis Weser-Ems
Einblicke ins BIG WE: kulturerbe.niedersachsen.de/sammlung/slg0287/

