Großherzogtum

Die GroßherzögeStadtentwicklung Oldenburg - Teil 1Stadtentwicklung Oldenburg - Teil 2Großherzogliches Engagement im Sozial- und BildungsbereichGroßherzogliche KulturförderungGroßherzogtum Oldenburg (1815-1918) im ÜberblickDie großherzoglichen Residenzen in Eutin, Rastede und OldenburgStammtafel
Die Großherzöge – Leben und politisches Wirken

Peter Friedrich Ludwig
Peter Friedrich Ludwig wird 1755 als zweiter Sohn des Herzogs Georg Ludwig von Schleswig-Holstein (1719-1763), (aus der jüngeren Linie des Hauses Holstein-Gottorf) und seiner Frau Sophie Charlotte (1722-1763) in Riesenburg geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern im Jahr 1763 werden er und sein Bruder Wilhelm August unter Vormundschaft seines Onkels väterlicherseits, Friedrich August, dem Fürstbischof von Lübeck gestellt. Seine Cousine, die russische Zarin Katharina II. sorgt für eine gründliche und umfangreiche Ausbildung in Bern und Bologna mit anschließenden Bildungsreisen nach England (1775/1776 und 1777), Russland (1775) und Dänemark.

Das Domkapitel von Lübeck wählt ihn 1776 zum Koadjutor des Bischofs, nachdem der Sohn Friedrich Augusts und somit rechtmäßige Erbprinz, Peter Friedrich Wilhelm (1753-1823) wegen einer Geisteskrankheit für regierungsunfähig erklärt wurde. Zudem bestimmt ihn Friedrich August vorsorglich als Regierungsadministrator für das Herzogtum Oldenburg.

Am 26. Juni 1781 heiratet er die fünfzehnjährige Friederike von Württemberg-Mömpelgard. Zusammen mit den gemeinsamen Söhnen Paul Friedrich August (1783-1853) und Peter Friedrich Georg (1784-1812) leben sie im Palais Rastede.

Nach dem Tod Friedrichs im August 1785 tritt er die Nachfolge als Fürstbischof von Lübeck an und wird regierender Administrator des Herzogtums Oldenburg. Ihren Wohnsitz verlegt die Familie ins Oldenburger Schloss. Im November des Jahres stirbt seine Frau im Alter von 20 Jahren bei der Geburt des dritten Kindes. Peter Friedrich wird nie wieder heiraten. Er lebt Zeit seines Lebens sehr zurückgezogen und wird von der Oldenburger Bevölkerung aufgrund seiner Arbeitsdisziplin und für seine zahlreichen Verdienste für das Land Oldenburg geschätzt und verehrt.

Oldenburg erhält in vieler Hinsicht einen Aufschwung in der Regierungszeit Peters. Vor allem eine wichtige Phase der städtebaulichen Entwicklung Oldenburgs nimmt mit ihm seinen Anfang. Durch die Abtragung der mittelalterlichen Befestigungsanlagen und Gestaltung eines neuen Promenadenrings samt Ausfallstraßen wird eine Öffnung der Stadt zum Umland erreicht.

Den Charakter der neuen Residenzstadt erhält Oldenburg neben der Wohnsitzverlegung des Herzogs durch den Bau der monumentalen Grablege anlässlich des überraschenden Todes seiner Frau. Die herrschaftliche Grabkapelle ist gleichzeitig sein Bekenntnis zur Stadt und Anfangspunkt des klassizistischen Baustils in Oldenburg. Weiter gehört auch der Umbau der Lambertikirche, die in ihrer Funktion als Haupt- und Hofkirche ein Familienmonument war, in diesen Bereich der fürstlichen Repräsentation.

Zusätzlich zur Baukunst gilt das Interesse Peter Friedrich Ludwigs vor allem der Landschaftsgartenkunst und der Malerei. So zeigte er sich für die Neugestaltung der barocken Schlossgärten in Eutin und Rastede und der Neuanlegung des Schlossgartens Oldenburg im Stil eines englischen Landschaftsgartens verantwortlich. Im Bereich der Malerei ist der 1800 erfolgte Erwerb einer Gemäldesammlung zu nennen, die (durch 1804 angekaufte Gemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Werken aus dem Gottorfer Besitz ergänzt) den Grundstock für die später erweiterte Herzogliche Gemäldesammlung bilden, die heute den Kern der Sammlung des Landesmuseum Oldenburg ausmacht.

Ebenfalls auf ihn zurück geht die Gründung der ersten öffentlichen Bibliothek in Oldenburg (1792) und Eutin. Er bezweckte einen erzieherischen Aspekt, indem er sie dem Publikum zugänglich machte. Mit Hilfe des 1792 von Peter Friedrich Ludwig gegründeten Landesschulfonds werden ab 1793 Kurse für die Ausbildung von Elementarlehrern in Oldenburg eingerichtet.

Das Land Oldenburg kann seine Bevölkerungszahl unter Peter Friedrich Ludwig fast verdoppeln: 1803 erhält er im Zuge des Reichsdeputationshauptschluss als Ersatz für den aufgehobene Elsflether Weserzoll die Ämter Vechta und Cloppenburg sowie Wildeshausen. Weiter wird das Bistum Lübeck in ein weltliches Fürstentum umgewandelt und demjenigen, dem es bislang nur in Personalunion verbunden war, zugesprochen. 1808 tritt Oldenburg als letzter deutscher Staat dem Rheinbund bei und muss in kurzer Zeit ein Kontingent von 800 Soldaten aufstellen. Aufgrund der Besetzung des Landes durch napoleonische Truppen lebt er 1811 einige Zeit mit seinem Sohn am Hof Zar Alexanders I., zu dem er enge familiäre Beziehungen besitzt. Nach dem Ende der Befreiungskriege spricht ihm der Wiener Kongress 1815 den Großherzogtitel und ein Teil des bisherigen Saardepartements, das spätere Fürstentum Birkenfeld zu. Peter hatte stattdessen auf das Gebiet Ostfriesland gehofft. In der Folge weigert er sich zeitlebens, den Großherzogtitel zu tragen.

Zar Alexander I. überlässt Peter Friedrich Ludwig 1818 die Herrschaft Jever, die er 1823 in Besitz nimmt. Denn nach dem Tod seines Cousins Peter Friedrich Wilhelm kann er seine Regierung endlich im eigenen Namen führen. Er selbst stirbt am 21. Mai 1829 auf einem Kurbesuch in Wiesbaden im Alter von 74 Jahren und findet seine letzte Ruhe im Oldenburger Mausoleum. Seine Regierung umfasste 44 Jahre.

Paul Friedrich August
Als ältester Sohn Herzog Peter Friedrich Ludwigs und seiner Frau, der Prinzessin Friederike von Württemberg wird er am 13. Juli 1783 in Rastede geboren. Nach seinem Studienaufenthalt an der Universität Leipzig (1803-05) und zwei längeren Bildungsreisen nach England (1805-07) und Italien folgt er 1811 aufgrund der französischen Besetzung des Herzogtums Oldenburg seinem Vater ins russische Exil nach St. Petersburg und wird zum Gouverneur von Estland ernannt. Er nimmt im russischen Generalstab am Feldzug gegen Napoleon teil, kehrt jedoch im Sommer 1814 nach Estland und 1816 nach Oldenburg zurück.

Am 27. Dezember stirbt sein jüngerer Bruder Georg im russischen Tver im Alter von 28 Jahren an Typhus. Aus seiner Ehe mit der russischen Großfürstin Katharina Pavlovna, einer Schwester Zar Alexanders I., gehen zwei Söhne hervor. Katharina stirbt überraschend 1819, Herzog Peter Friedrich Ludwig holt seine beiden Enkel Peter und Alexander nach Oldenburg, wo er ihnen das Prinzenpalais bauen lässt.

Erbprinz Paul Friedrich August heiratet am 24. Juli 1817 die Prinzessin Adelheid von Anhalt-Bernburg-Schaumburg. Dieser Ehe entstammen die Töchter Amalie (1818-1875) und Frederike (1820-1891). Bereits 1820 stirbt Adelheid im Alter von 20 Jahren im Kindbett. Im Jahr 1825 geht August eine zweite Ehe ein, mit der jüngeren Schwester seiner verstorbenen Frau, Prinzessin Ida, die ihm 1827 den Thronerben Erbprinz Nikolaus Friedrich Peter schenkt. Aber auch sie verstirbt bereits im Folgejahr im jungen Alter im Kindbett.

Im Mai 1829 tritt Paul Friedrich August 46-jährig die Nach- und Regierungsfolge seines Vaters an und nimmt erstmals den 1815 auf dem Wiener Kongress verliehenen Großherzogtitel an. Vor dem Hintergrund der Junirevolution von 1830 stellt Paul Friedrich August seinen Untertanen eine Verfassung in Aussicht, die jedoch erst 1849 realisiert wird: Die erste Verfassung Oldenburgs, das Staatsgrundgesetz, wird von dem sich 1848 konstituierten Landtag verabschiedet. Die leicht revidierte Fassung von 1852 bleibt bis 1919 gültig. Damit wird auch die Landgemeindeordnung (1855) beschlossen und die Trennung von Justiz und Verwaltung (1857) vollzogen.

Der regen Bautätigkeit des Großherzogs verdankt Oldenburg heute viele seiner Gebäude, die architektonisch den durch seinen Vater eingeleiteten klassizistischen Baustil fortsetzt. So entstehen in den 1830er Jahre in kürzester Zeit an der Schlossfreiheit neue Bauten, aber auch Militär- und Regierungsgebäude sowie Wohnhäuser und öffentliche Gebäude in der Innenstadt.

Im Jahr 1838, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Rückkehr Herzog Peters Friedrich Ludwigs aus dem Petersburger Exil stiftet Paul Friedrich August den oldenburgischen “Haus- und Verdienstorden des Herzogs Peter Friedrich Ludwig”. Zudem findet die Grundsteinlegung zum Bau des Hospitals statt, das später den Namen des Stifters, Peter Friedrich Ludwig tragen wird. Es gilt als eine der ersten allgemeinen und modernsten Krankenanstalten der Region.

Obwohl selbst kein musischer Mensch, war Paul Friedrich August bestrebt, im kulturellen Bereich durch Förderung des Hoftheaters, der Hofkapelle sowie der großfürstlichen Sammlungen seiner Residenz Glanz zu verleihen. So eröffnet 1832 das erste Theater in Oldenburg, dass auf Initiative des Kabinett-Chefs Ludwig Starklof und der Großherzogin Cäcilie hin errichtet wurde. Im Folgejahr erhält der Holzbau einen festen Backsteinausbau, der durch die Hofkasse finanziert wird. Großherzogin Cäcilie, mit der der Großherzog seit 1831 verheiratet ist und von der die Melodie der Oldenburger Hymne “Heil dir o Oldenburg” stammt, stirbt am 27. Januar 1844 in der Folge der Geburt ihres dritten Kindes. Zu ihren Ehren tragen in Oldenburg ihren Namen: eine Straße, ein Platz, die Cäcilienbrücke und die 1867 gegründete Cäcilienschule, sowie Cäciliengroden, eine Ortschaft im Landkreis Friesland.

Paul Friedrich August stirbt am 27. Februar 1853 nach 24-jähriger Regentschaft im Alter von 69 Jahren.

Nikolaus Friedrich Peter
Am 8. Juli 1827 wird er als ältester Sohn von Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg (1783-1853) und seiner Frau, der Prinzessin Ida von Anhalt-Bernburg-Schaumburg (1804-1828) in Oldenburg geboren.

Dem Studium in Leipzig (1846-1848) folgt aufgrund der revolutionären Unruhen erst 1850 die traditionelle Bildungsreise nach Italien, Griechenland und in die Türkei. In Italien formen sich vermutlich sein späteres Kunstverständnis und die Liebe zur italienischen Malerei. Nach seiner Rückkehr heiratet er am 10. Februar 1852 Prinzessin Elisabeth Pauline Alexandrine von Sachsen-Altenburg (1826-1896), die er in Leipzig kennen gelernt hatte. Im November des Jahres wird der Erbgroßherzog Friedrich August geboren.

Sein Vater, Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg stirbt am 27. Februar 1853. Mit 25 Jahren tritt er als Großherzog Peter II. von Oldenburg die Nachfolge an und bemüht sich politisch um Kontinuität und führte außenpolitisch die von seinem Vater begonnene Annäherung an Preußen fort. So tritt Oldenburg durch den Jadevertrag 1853/54 ein Gebiet an der westlichen Seite des Jadebusens an Preußen für den Bau des späteren Marinehafens Wilhelmshaven ab. Preußen entschädigt Oldenburg dafür finanziell und unterstützt es politisch beim endgültigen Rückkauf (1854) der Herrschaften Kniphausen und Varel. Bei Ausbruch des Deutschen Krieges 1866 steht Oldenburg aufgrund eines zuvor geschlossenen Bündnisvertrages auf der Seite Preußens und tritt in den Norddeutschen Bund ein. 1871 erfolgt der Zusammenschluss deutscher Staaten zum Deutschen Reich, dem das Großherzogtum Oldenburg als Bundesstaat beitritt. Am 18. Januar nimmt das Großherzogspaar in Versailles an der Kaiserproklamation teil.

Nikolaus Friedrich Peter finanziert den Bau (1865-67) des Ausstellungsgebäudes “Augusteum” mit, das zu Ehren seines Vaters benannt ist, der wiederum selbst zu Lebzeiten eigens zu diesem Zweck einen Baufond einrichtete. Der bei der Gebäudeübergabe 1867 geschlossene Nutzungsvertrag wies den Kunstverein als Eigentümer des Augusteums aus, zugleich erhielt der Großherzog aber die Zusicherung der dauerhaften Ausstellung der Großherzoglichen Gemäldegalerie im Obergeschoss und zahlte dafür eine jährliche Miete.

Die schleswig-holsteinische Frage, die jahrelang Thema der oldenburgischen Außenpolitik war, kann endlich geklärt werden: Nachdem der russische Kaiser Alexander II. alle gottorfischen Erbrechte auf ihn übertragen hatte, erhob Großherzog Nikolaus Friedrich Peter 1866 Ansprüche auf Schleswig-Holstein gegenüber dem dänischen Königshaus. Am 23. Februar 1867 wird der Kieler Vertrag geschlossen, wodurch er seine Ansprüche an Preußen abtritt. Dafür erhält er das holsteinische Amt Ahrensbök, das bisher die beiden Gebietsteile des Fürstentums Lübeck getrennt hatte, sowie eine Million Taler als Entschädigung.

Die Innen- und Wirtschaftspolitik des Großherzogs lassen keine eindeutige Grundhaltung erkennen. Als Politiker vertrat er stets konservative Einstellungen und beharrte auf sein dynastisches Recht und dem monarchischen Prinzip. Das bereits 1852 revidierte Staatsgrundgesetz ermöglichte ihm diesbezüglich eine starke Stellung gegenüber dem Parlament. Zu seinen Verdiensten gehört es aber, dass die Staatsverwaltung modernisiert bzw. reorganisiert wird. Im wirtschaftlichen Bereich ermöglichen der Ausbau des Straßensystems und die Gründung der Großherzoglichen Oldenburgischen Eisbahn (GOE) einen gewissen Aufschwung Oldenburgs. Auch die Landwirtschaft wird modernisiert und in Oldenburg, Delmenhorst und Nordenham-Blexen entstehen neue Industrieanlagen.

Am 13. Juni 1900 stirbt Großherzog Nikolaus Friedrich Peter im Alter von 72 Jahren. Durch seine lange Regierungszeit von 47 Jahren erhielt die Landespolitik ein starkes Element der Kontinuität.

Friedrich August
Friedrich August wird am 16. November 1852 als ältester Sohn von Großherzog Nikolaus Friedrich Peter (1827-1900) und dessen Frau Elisabeth, geb. Prinzessin von Sachsen-Altenburg (1826-1896) in Oldenburg geboren und erhält die übliche Prinzenerziehung. Er erhält Unterricht durch Hauslehrer und wird zum Offizier ausgebildet.

In den Jahren 1871-1873 ist er an den Universitäten Bonn, Strassburg und Leipzig eingeschrieben. Zum Abschluss der Ausbildung erfolgte eine siebenmonatige Reise nach Kleinasien, Palästina, Ägypten und Italien. Am 18.2.1878 heiratet er in Berlin die Prinzessin Elisabeth Anna von Preußen (1857-1895), die Tochter Sophie Charlotte wird ein Jahr später geboren. Sie wird 1906 Eitel Friedrich von Preußen heiraten, den zweitältesten Sohn Kaiser Wilhelms II. Bereits 1895 stirbt seine Frau, noch während der Errichtung des zu ihren Ehren benannten Elisabeth-Anna-Palais am Schlossgarten.

Im folgenden Jahr schließt Friedrich August eine zweite Ehe mit Elisabeth, geb. Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin (1869-1955). Erbgroßherzog Nikolaus Friedrich Wilhelm wird am 10.08.1897 geboren.

Erst im Alter von 47 Jahren kann er 1900 die Nachfolge seines Vaters antreten. Von seiner persönlichen Art kann er als typischer Vertreter der Wilhelminischen Zeit beschrieben werden. So werden ihm burschikoses Auftreten und die Neigung zu vorschnellen Entschlüssen nachgesagt.

Mit großer Aufgeschlossenheit und Interesse widmet er sich all dessen, was mit der Seefahrt und der Marine zusammenhängt. An der von ihm geförderten Seefahrtsschule in Elsfleth machte er sein Kapitänspatent “für Große Fahrt” und unternimmt weite Reisen mit seiner Yacht “Lehnsahn”. Als Großherzog begründet er 1900 den „Deutschen-Schulschiff-Verein“ mit, der Nachwuchskräfte für die deutsche Handelmarine ausbildet. Oldenburg war zwar Heimathafen, jedoch zu klein. So wurde Elsfleth Liegehafen der Schulschiffe. Ausdruck seines technischen Sachverstandes ist die von ihm konstruierte Schiffsschraube, der sogenannte “Niki-Propeller”. Für die Erfindung verleiht ihm die Technische Hochschule Hannover die Ehrendoktorwürde. Aufgrund seiner Kenntnisse in der Seefahrt, ist er der einzige Fürst im Reich, den Kaiser Wilhelm II. zum Admiral ernennt. Weiter wird er Ehrenvorsitzender der “Deutschen Schiffbautechnischen Gesellschaft”.

In seiner langen Wartezeit bis zur Amtsübernahme fiel die Zeit der Industrialisierung des aufstrebenden Deutschlands, die geprägt war von Imperialismus und Nationalismus. Seinen politischen Handlungen lagen daher nationalkonservative Ansichten zugrunde, er musste jedoch mehrmals Konzessionsbereitschaft in Richtung des liberalen Flügels des Parlaments zeigen.

Im Allgemeinen verließ sich Friedrich August auf seine Regierungsbeamten, sein Interesse galt der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Er bemühte sich um den weiteren Ausbau des Hunte-Weser-Kanals (1893 Eröffnung) sowie der oldenburgischen Weserhäfen und förderte die Ansiedlung von Industrieunternehmen, um die Wirtschaftskraft zu heben. Die Anbindung an das Eisbahnnetz machte Oldenburg zu einem Versorgungsgebiet der Industriestädte an Rhein und Ruhr.

Im Ersten Weltkrieg vertritt er die Meinung der “Alldeutschen”, jener Auffassung einer deutschen Vormachtstellung in Europa, die u.a. Frankreich als Vasallenstaat vorsah.

Die Novemberevolution 1918 hatte einen ihrer Ausgangspunkte in Wilhelmshaven, somit erreichte sie schnell das Großherzogtum. Sie verlief zwar in Oldenburg weniger gewaltsam als andernorts, jedoch sah sich der Großherzog am 11. November 1918 zur Abdankung gezwungen, um den friedlichen Übergang zu einer Republik – zum Freistaat Oldenburg – zu gewährleisten.

Friedrich August zieht sich auf den Landsitz der Familie nach Rastede zurück und unterstützt in den Folgejahren die Deutsche Nationale Volkspartei (DNVP) mit größeren Geldsummen.

Am 24. Februar 1932 stirbt Friedrich August im Alter von 78 Jahren in Rastede.

Autor: Annett Wiegand

Bildnachweis: Bild 1-3, 5-7, 9 Landesmuseum Oldenburg; Bild 10 Stadtmuseum Oldenburg
Regierungszeit Herzog Peter Friedrich Ludwig (1785-1815/29)

Die Stadt Oldenburg erhielt 1785 mit dem Regierungsantritt des späteren Herzogs Peter Friedrich Ludwig (1755-1829) weitreichende Impulse in ihrer Entwicklung und ihrem heutigen Stadtbild, wurde sie doch durch diesen Umstand zur neuen Residenzstadt. Insbesondere die zahlreichen architektonischen Bauten im Stil des Klassizismus und ab ca. 1850 des Historismus machten Oldenburg seinerzeit über die Stadtgrenze hinaus bekannt.

Die herzogliche Stadtbaupolitik Peter Friedrich Ludwigs, seit 1785 regierender Administrator des Herzogtums Oldenburgs, war bis nach der französischen Besatzung (1811-13) darauf ausgerichtet, die infrastrukturellen Grundlagen einer modernen Stadtentwicklung zu schaffen. Es wurde entschieden, auf den ehemaligen Festungswerken rund um die Stadt eine gärtnerische, großzügig gestaltete Wallpromenade anzulegen, die durch die Hofkasse finanziert wurde.

Das innerstädtische Straßensystem wurde kontinuierlich ausgebaut, neue Reit- und Fußwege sowie Ausfallstraßen in das Umland geschaffen, Toranlagen und Brücken erneuert, öffentliche Plätzen gebaut. Die konsequente klassizistische Architektursprache wurde bis weit in die 1840er Jahre an Neubauten angewandt. So ist festzuhalten, dass in der Stadtentwicklung dieser Zeit nicht nur hinsichtlich des Grundrisses der Stadt, sondern auch in der stilistischen Gestaltung des Stadtbildes grundlegende Weichen gestellt wurden.

Bis 1785 wohnte der Herzog mit seiner Familie in Rastede, mit seinem Regierungsantritt verlegte er den Hauptwohnsitz in das Oldenburger Schloss. Mit dieser Entscheidung machte Peter Friedrich Ludwig Oldenburg zum Stammsitz einer neuen Dynastie und sich selbst zum Stammvater des Hauses Oldenburg, aus der jüngeren Linie der Herzöge von Holstein-Gottorf. Die neugegründete Familie (*1783 Paul Friedrich August, *1784 Georg Friedrich) hatte jedoch bereits im Antrittsjahr mit dem plötzlichen Tod der Gattin und Mutter, der Herzogin Friederike, einen schweren persönlichen Schicksalsschlag zu verkraften. Obgleich bereits städtebauliche Aktivitäten angelaufen waren, lag nun die Priorität auf der Errichtung einer würdigen Grablege.

Mausoleum
Der in einem geschlossenen Kubus erscheinende Giebelbau war in erster Linie Ausdruck der persönlichen Trauer des Herzogs. Die strenge, schlichte und klare Form machte das Mausoleum nicht nur zum ersten klassizistischem Bauwerk in Oldenburg, sondern auch in der Region. Noch unter weiteren Gesichtspunkten ist die Errichtung (1786-1790) des Herzoglichen Mausoleums auf dem Gertrudenkirchhof von Bedeutung: Die Bestattung der Herzogin fand 1791 auf einem bürgerlichen Friedhof statt und spiegelte dadurch auch bei Peter Friedrich Ludwig einen durch die Aufklärung herbeigeführten Wandel im Selbstverständnis im Herrscherbild wider, da bislang Kirchen als Grabstätten für verstorbene Angehörige vorgezogen wurden. Zuletzt zu erwähnen ist hier noch der dynastische Bezug, den Peter als Begründer der oldenburgischen Linie des Hauses Holstein-Gottorf mit der Errichtung einer Familiengrablege wohl als Dokumentation des Anspruchs der neuen Dynastie ausdrücken wollte.
Lambertikirche
Aufgrund des bedenklichen Bauzustandes der im Herzen der Stadt gelegenen Lambertikirche kam es 1791 bis 1795 zu maßgeblichen Umbauten im Innenbereich des Gebäudes, die der Architekt Joseph Bernhard Winck leitete, aber an deren gestalterischen Ausrichtung der Herzog sich rege beteiligte. So blieben das mittelalterliche Kirchenschiff und deren sichtbar gemachte Mauern und Strebepfeiler erhalten, es wurde eine klassizistischen Rotunde eingebaut und der Chor in eine klassizistische Eingangshalle umgewandelt, die als Mausoleum für die Ahnen aus der Oldenburger Dynastie, Graf Anton Günther und Herzog Friedrich August, konzipiert wurde.

Die städtebaulichen Maßnahmen, die Peter Friedrich Ludwig Ende des 18. Jahrhunderts in Auftrag gab, betrafen vorwiegend den Bereich des Schlosses als Herrschaftssitz und seiner Umgebung. Beim Umbau der Lambertikirche, dem religiösen und geistlichen Zentrum, sowie bei der Errichtung des herzoglichen Mausoleums kamen nicht nur erinnerungskulturelle Aspekte zum Ausdruck; hierbei sollte einerseits über die dynastische Tradition und die eigene Herkunft die Herrschaftsausübung legitimiert werden, andererseits der neu geschaffenen Dynastie ein etablierendes Monument gesetzt werden.

Schlossgarten
Außerhalb der ehemaligen Befestigungsanlagen kaufte der Herzog zwischen 1803 und 1805 Land an, mit der Absicht einen Schlossgarten im Stil eines englischen Landschaftsgartens anzulegen. Der Hofgärtner Christian Ludwig Bosse übernahm die Ausführung. Eine Erweiterung der 1810 fertiggestellten ersten Anlage wurde durch die französische Besatzung unterbrochen und erfolgte erst ab 1814 unter der Leitung von Julius Friedrich Wilhelm Bosse (1788-1864). Der Wiederaufbau und die gleichzeitige Neugestaltung des Gartens fand zwischen 1817 und 1822 unter maßgeblicher künstlerischer Gestaltung des Herzogs statt. Es entstanden der Teepavillon (1817) sowie das Kleine und Große Winterhaus nach den Plänen des Bauoberrates Heinrich Carl Slevogt (1787-1832). Für die gärtnerische Gestaltung der sich um den Garten und den Stadtring abgetragenen Wallanlagen zeigte sich Bosse ebenfalls verantwortlich. Dem lag ein Gesamtkonzept zur Bildung, Erholung und Freizeitgestaltung zugrunde, das den Bürger einbeziehen sollte und noch in anderen Neubauten ihren Ausdruck fand.
Oldenburger Schloss
1819 wurde das Schloss um einen Küchenflügel und eine Bibliothek mit dazugehörigem Torbogen erweitert. Im gleichen Jahr erfolgte eine weitere Öffnung im Nordteil der Stadt über die Anlegung des Pferdemarktes an der Heiligengeiststraße. Diese war ursprünglich dafür gedacht, Residenz und Nekropole – also das Schloss und das Herzogliche Mausoleum auf dem Gertrudenkirchhof – als Mittelachse direkt zu verbinden.
Prinzenpalais
In der Absicht einen Wohnort für seine beiden verwaisten Enkel Peter und Alexander zu bauen, wurde der klassizistische zweigeschossige Bau zwischen 1820 und 1826 errichtet und bildete mit der Anlegung der Zufahrtstraße(n) den städtebaulichen Anfangspunkt des südlichen Zugangs zur Stadt, die zum Schloss hinführt.

Mit der sukzessiven Abtragung der Befestigungsanlagen und der damit verbundenen Anlegung und Gestaltung eines neuen Promenadenrings, der zuführenden Ausfallstraßen sowie den Großbauten, Plätzen, Toren und der Schlossgartenanlage war eine Öffnung der Stadt weg vom in sich geschlossenen mittelalterlichen Stadtkern erreicht und die Grundstruktur für die weitere städtebauliche Entwicklung gelegt worden.

Autor: Annett Wiegand

Bildnachweis: Bild 2 und 7 Sven Adelaide/ Landesmuseum Oldenburg; Bild 3 Landesarchiv Oldenburg
Regierungszeit Großherzog Paul Friedrich August (1829-1855)

Die Baukunst und Architektur können als einer der Schwerpunkte der kulturellen Interessen des Großherzogs gesehen werden. Dabei griff Paul Friedrich August den erzieherischen Aspekt seines Vaters auf und ließ Einrichtungen bauen, die der Vermittlung von Bildung und Wissenschaft dienen sollten, so z.B. die Gebäude für die Großherzogliche Bibliothek und dem Naturhistorischen Museum. Die bereits unter Peter Friedrich Ludwig begonnene Hochbaupolitik ab dem Zeitpunkt nach der französischen Besatzung zeigt auch in seiner Regentschaft deutliche Ausprägung. Die Neuorganisation Oldenburgs, mit der auf die Anforderungen an die Haupt- und Residenzstadt des seit 1815 vergrößerten Staates Großherzogtum Oldenburg reagiert werden musste, folgten bauliche Maßnahmen sowohl im staatlichen wie gesellschaftlichen Bereich.

Militärbauten
So kamen mit dem Umbau bzw. der Errichtung der am Pferdemarkt gelegenen Kasernenanlagen (1834-1838) und der Militärschule (1837/38) sowie weiteren Militäreinrichtungen in Osternburg nicht nur die politischen Verpflichtungen Oldenburgs als Mitglied des Deutschen Bundes zur Aufstellung eines Truppenkontingents zum Tragen, es betraf auch ein Betätigungsfeld, dass dem persönlichen Naturell des Großherzogs entsprach. Die städtebaulichen Maßnahmen und die Anwesenheit des Militärpersonals (im Jahr 1840: 1200 Personstärke) verliehen Oldenburg den Charakter einer Garnisonsstadt, bedeuteten aber auch wirtschaftliche Vorteile.
Schlossfreiheit
Hinsichtlich der Gestaltung der repräsentativen Umgebung des Schlosses und des Schlossplatzes folgte er den Spuren seines Vaters, zuerst noch innerhalb der Grenzen der ehemaligen Schlossfreiheit: von Ostseite beginnend mit der Stallremise (1835/36) über das Cavalierhaus und die Schlosswache (beide 1838/39) bis hin zum westlichen Abschluss mit dem Konsistorialgebäude (1846/47). Zusätzlich wurde der Casinoplatz neu gestaltet und Wohnhäuser (1839/40) errichtet. Die unter seinem Vater gebauten Verwaltungs- und Regierungsgebäude wurden aufgestockt und saniert.
Prestigegebäude
Die Schlosswache bzw. Alte Wache, erbaut von Heinrich Starck, dem vom Großherzog bevorzugten Architekten, war gedacht als Denkmal zur Erinnerung an die siegreiche Rückkehr aus dem russischen Exil nach dem Triumph über Napoleon (1813), ebenso das parallel entstandene Peter Friedrich Ludwigs Hospital an der Peterstraße. Beide Grundsteinlegungen fanden im Jahr 1838 anlässlich der Feierlichkeiten des 25-jährigen Jubiläums statt.

Die Bemühungen, die medizinische Versorgung für die Oldenburger Bürger zu verbessern, kamen mit dem Bau des Peter Friedrich Ludwigs Hospitals zum Ausdruck, damit gilt es als das erste repräsentative Gebäude, das vorrangig den Interessen der Bevölkerung diente. Ebenfalls Vorreiterstatus hatte die dafür neu angelegte Peterstraße, wofür erstmals das mittelalterliche Wegenetz durchbrochen wurde, um mit einer künstlichen Begradigung Pferdemarkt und Haarentor miteinander zu verbinden.

Bau öffentlicher Einrichtungen
Im Osten, Süden und Westen der Stadt wurden notwendig gewordene Bauten für den vergrößerten Justiz-, Verwaltungs- und Militärapparat, aber auch Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser und Kultureinrichtungen für eine stetig wachsende Bevölkerung geschaffen. Für Letzteres ist beispielhaft der frühe Theaterholzbau von 1833 zu nennen, der 1836 um eine ausladende Fassade erweitert wurde, nachdem sich der Hof dem Theater annahm. Das Publikum nutzte das Angebot neben der organisierten Geselligkeit, die in den bürgerlichen Kreisen dieser Zeit entstanden, wie der Bau des Civilkasinos (1840-42) durch die Casinogesellschaft und die Gründungen des Literarisch-Geselligen-Vereins (1839) sowie des Oldenburger Kunstvereins (1843) beweisen.

Als weitere kulturelle Einrichtung, die jedoch mehr dem Bildungsanspruch verpflichtet war, ist die öffentliche zugängliche Herzogliche Bibliothek anzusehen, die unter Peter Friedrich Ludwig aufgebaut und für die ein neues, größeres Gebäude am Damm gebaut wurde. Auch das Lehrerseminar erhielt an der Peterstraße ein “Neues Seminar” (1844/45). Beide Gebäude wurden von dem Architekten Hero Diedrich Hillerns errichtet und leiteten mit dem verwendeten Rundbogenstil den schrittweisen Übergang zum Historismus ein.

Autor: Annett Wiegand

Bildnachweis: Bild 4 Sven Adelaide/ Landesmuseum Oldenburg; Bild 7 Stadtmuseum Oldenburg
Herzoglich-öffentliche Bibliothek (1792 gegründet), später Großherzogliche Bibliothek, heute Landesbibliothek Oldenburg

Den Grundstock bildete die 1790 durch Herzog Peter Friedrich Ludwig erworbene umfangreiche Privatbibliothek des Hannoveraner Hofrates Georg Friedrich Brandes (1719-1791), die ca. 21.000 Bände umfasste. Peter konzipierte sie nicht als fürstliche Privatbibliothek, sondern als dem Oldenburger Publikum öffentlich zugängliche Bildungsbibliothek.

Die Herzogliche Öffentliche Bibliothek ist somit heute die älteste der unter den Landesfürsten gegründeten Kulturinstitutionen Oldenburgs. Ebenso wie die Großherzogliche Öffentliche Bibliothek in Eutin (eröffnet 1837), die u.a. aus dem Ankauf (1816) der Privatbibliothek des Schriftstellers Gerhard Anton von Halem hervorging, förderten die (Groß-)Herzöge Peter Friedrich Ludwig und Paul Friedrich August diese Bildungseinrichtungen fortwährend durch persönliche Mittel. Dadurch konnten systematisch die Sammlungsbestände aufgestockt und Privatbibliotheken angekauft werden. Nicht zuletzt deswegen etablierte sich die Bibliothek in Oldenburg bald auch als wissenschaftliche Gebrauchsbibliothek für das Justiz- und Verwaltungspersonal.

Die Bestände waren samt Leseplätzen im Erdgeschoss des Schlosses aufgestellt, die während der französischen Fremdherrschaft (1811-1813) zur Sicherheit nach Bremen ausgelagert wurden. Die Wiedereröffnung fand erst 1819 in einigen Räumen des alten Zuchthauses neben dem Schloss statt. 1846 erfolgte der Umzug in das 1842 neu gebaute neue Bibliotheksgebäude am Damm, das Platz für das Anderthalbfache des damaligen Bestandes von 50.000 Büchern bieten sollte.

Geleitet und verwaltet wurde die Bibliothek seit 1816 durch eine Bibliothekskommission. Die Entscheidung Peter Friedrich Ludwigs, dass die Bibliothek seinen Etat eigenwirtschaftlich aus den Einnahmen der staatlichen Zeitungen zu erarbeiten hatte, schränkte die verwaltungstechnischen Arbeiten und notwendig gewordene Neukatalogisierung jedoch erheblich ein. Der eigentlichen Arbeit konnte sich der Bibliothekar Ludwig Wilhelm Christian von Halem (1758-1839) nur noch nebenamtlich widmen, da die Redaktion und Publikation der staatlich herausgegebenen Presseorgane vor allem in seinem Verantwortungsbereich lagen.

Die Bibliotheken in Oldenburg und Eutin gingen 1919 in die jeweiligen Landesbibliotheken der Nachfolgestaaten des Großherzogtums Oldenburg über.

Ersparungs-Casse (gegr. 1786), heute Landessparkasse zu Oldenburg
Im 18. Jahrhundert wurde im Herzogtum Oldenburg die Notwendigkeit erkannt, der zunehmenden Armut entgegenzuwirken sowie den Unterhalt nicht mehr erwerbsfähiger Menschen sicherzustellen. Mit dem Auftrag, das oldenburgische Armenwesen zu reformieren, schlug eine eigens dafür gegründete Kommission die Gründung einer Ersparungskasse nach Hamburger Modell (1778 erste Sparkasse Hamburgs gegründet) vor, um in der Bevölkerung den Sparsinn zu vermitteln und zu fördern.

Am 1. August 1786 wurde unter Herzog Peter Friedrich Ludwig die “Ersparungscasse im Herzogthum Oldenburg” gegründet, deren Direktionen den Kirchspielen angegliedert waren. Dadurch war ein Netz von “Zahlstellen” geschaffen worden, das sich auch in den Ämtern Cloppenburg, Vechta und Wildeshausen (ab 1803) sowie dem Jeverland (ab 1818) verbreitete und somit stetig weiter wuchs.

Ausgehend von den Ideen der Aufklärung hatten sich die oldenburgischen Fürsten ihrer Verantwortung für die sozialen Fragen der Bevölkerung angenommen und Reformbereitschaft bewiesen, ganz im Sinne eines im damaligen Selbstverständnis aufgeklärten, aber absolut regierenden Landesvaters.

Der Gedanke des sozialen und kulturellen Engagements als Ausdruck regionaler Verbundenheit kommt heute vor allem durch die Kunst- und Kulturstiftung des 1913 in “Landessparkasse zu Oldenburg” umbenannten Sparinstituts zum Tragen.

Lehrerseminar (gegr. 1793) auf Grundlage eines Landschulfonds (1792)
Ein weiteres Beispiel, deren Gründungsgeschichte ihren Anfang durch finanzielle Unterstützung des fürstlichen Hofes genommen hat, ist im Schulwesen zu finden.

Die qualitative Verbesserung der Lehrerbildung und die daraus resultierende verbesserte allgemeine Schulbildung zum Wohle der Bevölkerung war längst überfällig geworden. Die Ausbildung von Lehrerpersonal und einer dem Berufstand angemessenen Besoldung konnte im Zuge einer Reform des Schulwesens 1792 mit der Stiftung des Landschulfonds und der Gründung des Lehrerbildungsseminars erreicht werden. Dieses erhielt 1806/07 ein Gebäude an der Wallstraße.

Das zweijährige Seminar umfasste die theoretische Ausbildung sowie die anschließende Hospitanz am Gymnasialunterricht und die eigene Unterrichtserfahrung an den Stadt- und Landschulen. Unter Großherzog Paul Friedrich August (reg. 1829-1853) wurde angesichts anhaltend steigender Seminaristenzahlen entschieden, ein neues, größeres Gebäude zu errichten.

Das “Neue Seminar” an der Peterstraße, dass nach den Plänen des Architekten Hero Diedrich Hillerns 1844/45 gebaut wurde, markiert neben dem parallel von ihm entworfenen und im Bau befindlichen Bibliotheksgebäude am Damm städtebaulich den Übergang vom Klassizismus zum Rundbogenstil. Mit verschiedenen Zwischenstufen kann die Einrichtung des Lehrerseminars als Vorgänger der 1973 gegründeten Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die einen Schwerpunkt in der Lehrerbildung hat, gesehen werden.

Peter Friedrich Ludwigs Hospital (1838-41), heute PFL-Kulturzentrum
Das Gebäude wurde 1838-1841 als erste und zu der Zeit dringend benötigte staatliche Krankenanstalt in Oldenburg errichtet, unter Verwendung einer klassizistischen Fassadengestaltung, die ansonsten nur öffentlichen Repräsentationsbauten vorbehalten war. In dem Bau verbanden sich die rein funktionalen Erfordernisse jener Zeit mit dem Andenken an das soziale Engagement Peter Friedrich Ludwigs. Als Initiator des Krankenhausneubaus hatte er 1821 einen Fond zur Finanzierung eingerichtet. Die Errichtung erfolgte schließlich unter seinem Sohn, Großherzog Paul Friedrich August. Den als Begründer des neuen oldenburgischen Staates verehrten Herzog Peter Friedrich Ludwig wurde somit ein architektonisches Denkmal gesetzt.

Das Datum der Grundsteinlegung (27. November 1838) war nicht zufällig gewählt, sondern Teil der groß angelegten Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Rückkehr des Herzogs aus dem russischen Exil nach der französischen Fremdherrschaft (1811-1813). Die Texte der Inschriften und Beilagen würdigen dabei den Herzog als Staatsgründer und Stammvater der Oldenburger Dynastie.

Der Hospitalbau, ausgeführt nach den Entwürfen des Architekten Heinrich Strack, war für damalige Verhältnisse hinsichtlich der medizinischen Anforderungen und seiner Ausstattung auf der Höhe der Zeit. Der monumental anmutende Prachtbau unterstrich die Bedeutung der neu angelegten Peterstraße und war einer der prestigeträchtigsten Bauprojekte in der insgesamt regen Bautätigkeit von Großherzog Paul Friedrich August. Er verdeutlicht die seit Peter Friedrich Ludwig gewandelte Auffassung, im öffentlichen Bereich, Bauten der staatlichen Repräsentation zu schaffen, die dem Wohle der Bevölkerung dienen sollten.

Elisabethstiftung
Der mit dem Peter Friedrich Ludwigs Hospital relativ spät entstandenen ersten Krankenanstalt Oldenburgs folgte 1872 die ebenfalls auf herzogliches Stiftungskapital zurückgehende Eröffnung des Elisabeth-Kinderkrankenhauses.

Anlässlich der Vermählung seines Sohnes Nikolaus Friedrich Peter mit Prinzessin Elisabeth von Altenburg (1852) schenkte Großherzog Paul Friedrich August 3.000 Taler einer Stiftung für milde Zwecke und nannte sie „Elisabethstiftung“. Erst 1869 konstituierte sich der Verein der “Freunde des Kinderkrankenhauses”, der ein Grundstück neben dem Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital erwarb.

Häusergründungen der katholischen Kirchengemeinde fielen in die 1850er und 1860er Jahre und bildeten somit die nötige Ergänzung in diesem Bereich. Die Gründung ist eng verbunden mit dem Evangelischen Krankenhaus und dem bürgerlichen Verlangen nach freier Ärztewahl, das die evangelische Kirchengemeinde unterstützte.

Autor: Annett Wiegand

Großherzogliches Theater (1833 gegründet), heute Staatstheater Oldenburg
Zwar ging die Initiative zur Gründung des heutigen Oldenburgischen Staatstheaters nicht von Großherzog Paul Friedrich August, sondern seinem Sekretär Ludwig Starklof (1789-1850) aus. Dennoch trug die ideelle und finanzielle Unterstützung des Hofes und vor allem die der Großherzogin Cäcilie (1807-1844) maßgeblich dazu bei, dass in Oldenburg ein eigener Theaterbetrieb unabhängig von Bremen entstehen konnte. Da nur kleines Budget zur Verfügung stand, wurde 1833 ein Holzbau errichtet; die Theaterleitung übernahm Starklof. Ein Jahr nach der Gründung erwarb der Hof das Theater. Oldenburg erhielt ein eigenes Ensemble, ferner wechselte der Bremer Theaterdirektor Johann Gerber nach Oldenburg.

Nun erfolgte ein Ausbau zum Fachwerkbau und wurde 1836 durch Anbauten und eine klassizistische Fassade erweitert. Das offizielle Hoftheater fungierte ab 1841 unter der Leitung von Ferdinand von Gall (1809-1872) und ab 1844 unter dem Dichter Julius Mosen (1803-1867) als Dramaturg in Zusammenarbeit mit dem Theaterkritiker Adolf Stahr (1805-1876). Es wurden vor allem Stücke mit erzieherischem Anspruch aufgeführt, darunter einige Schauspiele aus der Feder von Julius Mosen. Nach dem Weggang von Stahr und von Gall wurde der Spielplan zunehmend auf den Publikumsgeschmack ausgerichtet, für die Zeit um und nach der Revolution 1848 insbesondere ohne politische und zeitkritische Bezüge.

1881 wurde ein Gebäude für das Großherzogliche Theater am heutigen Standort fertiggestellt, das bereits zehn Jahre später durch einen Brand zerstört wurde. Das heutige Theatergebäude ist ein 1892/93 errichteter Wiederaufbau, mit gut tausend Plätzen – fast doppelt so groß wie der Holzbau von 1833/34.

Großherzogliches Naturhistorisches Museum (1836 gegründet), heute Museum für Natur und Mensch Oldenburg
1835 genehmigte Großherzog Paul Friedrich August den Ankauf naturkundlicher Bestände, wie beispielsweise die Sammlung des Kreisarztes Dr. Oppermann. Das herzogliche Naturalienkabinett wurde zur Grundlage für die Museumseröffnung vom Mai 1836. Um sie für öffentliche Bildungs- und Lehrzwecke zugänglich zu machen, gab der Großherzog die systematische Erfassung der naturkundlichen und archäologischen Sammlung in Auftrag.

Unter Leitung des ersten Museumsvorstandes, dem Großherzoglichen Oberkammerherrn Alexander von Rennenkampf, erfolgte die Ausweitung der Sammlungsbestände im Bereich der Geologie und Mineralogie. 1837 wurde Carl Friedrich Wiepken hauptamtlicher Kustos (ab 1879 Direktor) und begründete in seiner 58-jährigen Amtzeit die naturwissenschaftliche Heimatforschung in Oldenburg. Sein Anliegen war insbesondere die systematische Erfassung der heimischen Tierwelt. Die Entstehung einer völkerkundlichen Sammlung verdankt das Museum Friedrich von Alten, dem Museumsvorstand seit 1862.

Schließlich wurden die völkerkundliche Sammlung und die Altertümersammlung aus dem Oldenburger Schloss in das Museum integriert, von 1876 bis 1879 erfolgte daraufhin für das Museum ein Neubau am Damm. Dieses und das ursprünglich für die Großherzogliche Bibliothek genutzte Gebäude (errichtet 1842-46) wird heute vom „Museum für Natur und Mensch“ genutzt.

Großherzogliche Altertümersammlung (gegründet 1838), heute z.T. im Landesmuseum Oldenburg
Die öffentlich zugängliche „Großherzogliche Sammlung vaterländischer Altertümer“ entstand 1838 aus verschiedenen urgeschichtlichen, archäologischen, historischen und kunstgewerblichen Privatsammlungen, beispielsweise die des Mindener Arztes Dr. Nicolaus Meyer, des Pastors G.W.A. Oldenburg aus Wildeshausen und des Generals Wilhelm Gustav Friedrich Wardenburg aus Fedderwarden.

In der Absicht, durch Rückbesinnung auf die eigene Geschichte nationale Identität zu stiften, wurden in vielen deutschen Kleinstaaten nach den Befreiungskriegen (1813-15) historische Vereinigungen und Sammlungen gründet. Im Sammeln von Altertümern, also Zeugnissen der Kulturgeschichte vornehmlich aus der Zeit bis 1650, sahen die Landesfürsten die Möglichkeit, das patriotische, „vaterländische“ Bewusstsein der eigenen Bevölkerung zu stärken. Zudem erfüllten jene Sammlungen die zeitgenössischen Anforderungen an höfischer Repräsentation.

In Oldenburg widmete sich von 1850 bis 1857 der „Verein für die Erforschung und Einhaltung einheimischer Denkmäler des Altertums“ bzw. in seiner Nachfolge ab 1875 der „Oldenburger Landesverein für Alterthumskunde“ den im Großherzogtum Oldenburg befindlichen schriftlichen und nichtschriftlichen Kulturgütern. Der Bestand wuchs stetig durch zahlreiche Schenkungen und Ankäufe seitens der Großherzoglichen Familie, des Magistrats der Stadt Oldenburg, der Kirchenräte sowie vieler Privatleute aus dem Oldenburger Land.

Die Gegenstände spiegelten als materielle Zeugnisse längst vergangene Lebenswelten wider. So gaben sie beispielsweise Aufschluss über Frömmigkeit vom 16. bis 18. Jahrhundert, repräsentierten den Zunftalltag des 17. und 18. Jahrhunderts und politische Auffassungen des 19. Jahrhunderts. Aber auch Objekte aus Mexiko und China aus der Zeit vor der Entdeckung Amerikas (1492) sowie ägyptische, griechische und römische Altertümer waren vertreten.

1879 gingen die Sammlungen des Landesvereins an das neu gegründete Naturhistorische Museum, der kunstgewerbliche Teil der Altertümersammlung 1899 an die „Vorbildersammlung für Handwerk und Gewerbe“, dem späteren Kunstgewerbemuseum. Beide Sammlungen wurden schließlich in das 1921 gegründete und im Februar 1923 eröffnete Landesmuseum Oldenburg überführt.

Großherzogliche Gemäldesammlung, heute im Landesmuseum Oldenburg, Galerie Alte Meister im Augusteum
In die Regierungszeit Peter Friedrich Ludwigs (1785-1829) fällt die Gründungsphase der Oldenburger Gemäldegalerie. Als Gründungsjahr gilt 1804 mit dem Ankauf der Sammlung Wilhelm Tischbeins, die aus 86 niederländischen und italienischen Gemälden bestand. Damit war sowohl der Grundstock als auch die Ausrichtung auf die beiden zukünftigen Hauptabteilungen, der niederländischen und der italienischen Malerei, geschaffen. Nach 1810 und neun niederländischen Gemälden aus einer Bremer Auktion widmete sich der Herzog vornehmlich der Realisierung des öffentlichen Zugangs zu der Sammlung in den Schlossräumen.

Eine Erweiterung der Bestände erfolgte durch Großherzog Paul Friedrich August (reg. 1829-1853) kaum, jedoch sorgte er für die dringend notwendige Restaurierung der Gemäldesammlung Herzog Peter Friedrich Ludwigs, auch vor der Absicht, sie adäquat der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Zu diesem Zweck fand 1840 die Anstellung des dänischen Malers Just Ulrik Jerndorff als Restaurator, ab 1844 auch als Hofmaler statt. Weiter ordnete der Großherzog die systematische Erfassung der im Besitz befindlichen Gemälde an, die ebenfalls Jerndorff übertragen wurde. Als Ausstellungsort fungierte das Marstallgebäude.

In seiner Regierungszeit (1855-1900) gelang es Großherzog Nikolaus Friedrich Peter, neben der umfangreichen Erweiterung der bisherigen herzoglichen Gemäldesammlung, den in Norddeutschland bedeutendsten Bestand italienischer Malerei des 15.-17. Jahrhunderts zusammenzutragen. Als gleichermaßen versierter wie leidenschaftlicher Sammler erwarb er auf internationalen Kunstauktionen gezielt Einzelwerke bzw. ganze Sammlungen aus russischem, deutschem und italienischem Adelsbesitz, sowohl für den Bereich Alte Meister (italienische, niederländisch-flämische und deutsche Malerei des 17. und 18. Jahrhundert) sowie zeitgenössische Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Idee zur Errichtung eines öffentlichen Galeriegebäudes war bereits ein Anliegen Paul Friedrich Augusts gewesen, konnte jedoch erst unter seinem Sohn und in der Zusammenarbeit mit dem Oldenburger Kunstverein (OKV, gegründet 1843) verwirklicht werden. Das “Augusteum”, dass zu Ehren des 1853 verstorbenen Großherzogs benannt ist, wurde in seinem Bau (1865-67) durch nahezu gleiche Teile aus der finanziellen Unterstützung von Großherzog Nikolaus Friedrich Peter und einem noch von Paul Friedrich August eingerichteten Baufonds sowie aus Spendengeldern realisiert.

Der bei der Gebäudeübergabe 1867 geschlossene Nutzungsvertrag wies den Kunstverein als Eigentümer des Augusteums aus, zugleich erhielt der Großherzog die Zusicherung der dauerhaften Aufstellung der großherzoglichen Gemäldegalerie im Obergeschoss und zahlte dafür eine jährliche Miete. Mittels der festen Einnahmen durch Miete und Mitgliedsbeiträgen konnte der Kunstverein nicht nur den Unterhalt sondern auch die Durchführung von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst finanzieren, die dann im Untergeschoss stattfanden.

Die gezielte Förderung der Kunst durch öffentlich zugängliche Ausstellungen war der gemeinsame Nenner für die bürgerliche und fürstliche Zusammenarbeit und Grundlage der starken Verbundenheit von Landesherrschaft und Kunstverein, die bis 1918 anhielt. Das daraus resultierende Protektorat des Großherzogs erwies sich in dieser Zeit als wichtige Förderinstitution der Oldenburger Kunstvereins, da auch immer wieder Leihgaben aus der wertvollen Privatsammlung zeitgenössischer Kunst des Großherzogs für die Ausstellungen gewonnen werden konnten.

Von dem Bestand der großherzoglichen Gemäldegalerie konnte nach 1918 nur etwa zwei Drittel in den Besitz des Oldenburgischen Staates zurückerworben werden, die seitdem im Besitz des 1921 neu gegründete Landesmuseums sind. Das Augusteum blieb bis 1976 im Besitz des Kunstvereins. Seit 1981 ist es dem Landesmuseum als drittes Ausstellungsgebäude angegliedert und beherbergt wieder die Galerie Alte Meister.

Autor: Annett Wiegand

Bildnachweis: Bild 1 und 5 Sven Adelaide/ Landesmuseum Oldenburg; Bild 4 Stadtmuseum Oldenburg
Der Wiener Kongress sah 1815 in seiner Schlussakte für den Herzog von Oldenburg den Großherzogtitel vor. Der damals in Oldenburg regierende Administrator und ab 1823 regierende Herzog Peter Friedrich Ludwig nahm den Titel nicht an. Sein Sohn und Nachfolger Paul Friedrich August holte dies bei seiner Regierungsübernahme 1829 nach. Er bestimmte, “daß Unsere sämtlichen Lande hinfüro unter der Nennung des Großherzogthums Oldenburg begriffen werden” sollten. Die von Paul Friedrich August regierten Territorien waren das Herzogtum Oldenburg sowie die Fürstentümer Lübeck und Birkenfeld, Das Großherzogtum Oldenburg bestand bis zur Abdankung des letzten Großherzogs, Friedrich August, am 11. November 1918.

Oldenburg war zugleich Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums. Das Oldenburger Schloss war Residenz der regierenden Großherzöge, die der jüngeren Linie des Hauses [Schleswig]-Holstein-Gottorf entstammten. Die ältere Gottorfer Linie war 1728 in das Haus Romanov übergegangen und stellte bis 1918 die russischen Zaren.

Die regierenden Herzöge bzw. Großherzöge von Oldenburg waren: Peter Friedrich Ludwig (reg. 1785-1829), Paul Friedrich August (reg. 1829-1853), Nikolaus Friedrich Peter (reg. 1853-1900) und Friedrich August (reg. 1900-1918).

Der russische Zar Alexander I. übertrug 1818 die Herrschaft Jever an Peter Friedrich Ludwig, der sich aber erst 1823 huldigen ließ und das Jeverland auch damit offiziell in Besitz nahm. Im Jahr 1854 konnte nach jahrelangen Verhandlungen die Herrschaft Kniphausen wiedererworben werden. Die finanziellen Mittel stammten aus dem Erlös des Jade-Vertrages mit Preußen, das das im Jadebusen abgetretene Gebiet zum Bau des Kriegshafens Wilhelmshaven nutzte.

Seit 1866 war es Mitglied im Norddeutschen Bund und seit 1871 Bundesstaat des Deutschen Reiches. Das Großherzogtum Oldenburg erhielt erst nach der Revolution von 1848 im Jahre 1852 seine erste Verfassung, das Staatsgrundgesetz, und einen Landtag.

Das Herzogtum Oldenburg
Die Grafschaft Oldenburg und Delmenhorst wurde 1774 per Reichsdekret zum Herzogtum Oldenburg erhoben. Fürstbischof von Lübeck, Friedrich August (1711-1785), hatte über dynastische Verbindungen zur russischen Zarenfamilie die beiden Grafschaften 1773 im Zuge eines Gebietstausches zwischen Dänemark und Russland erhalten. Er residierte jedoch weiterhin im holsteinischen Eutin, im Schloss Eutin. Als seinen Nachfolger in Oldenburg bestimmte er seinen Neffen, Peter Friedrich Ludwig (1755-1829). Dieser übernahm 1785 die Regierungsgeschäfte als herzoglicher Landesadministrator und machte die Stadt Oldenburg wieder zur Residenz. Der Sohn Friedrich Augusts, Peter Friedrich Wilhelm (1757-1823) war für regierungsunfähig erklärt worden, blieb aber bis zu seinem Tod Titularherzog von Oldenburg.

1803 erhielt Oldenburg das säkularisierte Fürstentum Lübeck (bis dato Erzbistum Lübeck), das bislang nur über die Person Peter Friedrich Ludwigs mit dem Herzogtum verbunden war.

Das Fürstentum Lübeck
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts verlegte der Lübecker Bischof seine Residenz nach Eutin und gründete das Kollegialstift Eutin. Bis zur Reformation war die St. Michaelis-Kirche in Eutin die Kirche der Bischöfe. Das Hochstift Lübeck umfasste demnach die Liegenschaften des Bischofs von Lübeck, des Domkapitels und des Kollegiatstifts Eutin.

Bereits 1586 hatte sich das Domkapitel verpflichtet, als Fürstbischöfe Mitglieder aus dem Haus Holstein-Gottorf zu wählen, was immer wieder zu Unstimmigkeiten mit dem dänischen Königshaus führte, wohin das Haus ebenfalls dynastische Verbindung hatte. 1707 wurde, nach erneuten Auseinandersetzungen um den Anspruch auf die Nachfolge, der bisherige Bischofswahlmodus anerkannt.

1773 wurde Friedrich August, aus der jüngeren Linie des Hauses Holstein-Gottorf, zum Fürstbischof von Lübeck gewählt. Zudem wurden ihm die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst durch den sogenannten “Ringtausch” angetragen: Kaiserin Katharina II. hatte in Vertretung für ihren Sohn Paul dessen Gebietsansprüche auf die holstein-gottorfschen Erblande an Dänemark abgegeben. Die bis zu dem Tausch dänischen Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst übertrug der russische Großfürst wenige Tage später schließlich auf Drängen seiner Mutter an Friedrich August.

Im Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde das Hochstift säkularisiert d.h. in ein erbliches weltliches Fürstentum umgewandelt und als Fürstentum Lübeck den Herzögen von Oldenburg zugesprochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das 15,3 km² große Territorium 22.000 Einwohner. 1810-1814 gehörte es zu Frankreich, nach dem Wiener Kongress 1815 zu dem Großherzogtum Oldenburg.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg und dem Deutschen Krieg erhielt das Fürstentum 1867 zum Ausgleich von Erbansprüchen in Schleswig-Holstein das Amt Ahrensbök von Preußen. 1937 endet mit dem Groß-Hamburg-Gesetz die Zeit der oldenburgischen Exklave, als „Kreis Eutin“ wurde es Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.

Heute liegt das Gebiet im Kreis Ostholstein. Die einstige Remise und der frühere Marstall des Eutiner Schlosses beherbergen heute die Kreisbibliothek und das Ostholstein-Museum. Das Kavaliershaus von 1836 beinhaltet heute die Eutiner Landesbibliothek.

Das Fürstentum Birkenfeld
Das Gebiet in den heutigen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland, dass Oldenburg auf dem Wiener Kongress 1815 zugesprochen wurde, wurde erst 1817 in Besitz genommen.

Bereits zwei Jahre später wurde mit dem Bau eines Regierungsgebäudes begonnen, das heute die Räume der Kreisverwaltung der Stadt Birkenfeld beherbergt. Angeschlossen an den damaligen Bau war ein Gebäudekomplex, mit Wohnungen für Beamte und Bedienstete und eine Vorplatzanlage samt Parkbereich und Garten. Zu den Besuchen der späteren Großherzoge und ihrer Familien diente es als großzügige Herberge, wodurch es auch den Beinamen „neues Schloss“ erhielt.

Das Gebiet des Fürstentums Birkenfeld mit dem Restkreis St. Wendel-Baumholder wurde 1937 Teil des preußischen Landkreises Birkenfeld. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag es in der französischen Besatzungszone. Seit 1947 besteht der Landkreis Birkenfeld im südwestlichen Rheinland-Pfalz.

Autor: Anett Wiegandt

bearb. von Jörgen Welp, Oldenburgische Landschaft

Bildnachweis: Bild 6 Stadtmuseum Oldenburg, Bild 7 Universität Mainz, IEG-Map Projekt
Schloss Eutin
Die Residenz der Lübecker Bischöfe war seit 1350 das Eutiner Schloss, auch Friedrich August hatte hier seine Hofhaltung, während sein Neffe und 1785 eingesetzter Administrator von Oldenburg, Peter Friedrich Ludwig seinen Stamm- und Regierungssitz nach Oldenburg verlegte und diese stetig zur neuen Residenzstadt ausbauen ließ. Die umfangreichen Amtsgeschäfte in Oldenburg ließen Peter die Eutiner Residenz schließlich nur noch in den Sommermonaten nutzen. Dafür ist ihm die ab 1788 einsetzende Umgestaltung des barocken Schlossparks in einen Landschaftsgarten nach englischem Stil unter der Leitung des Hofgärtners Daniel Rastedt zu verdanken. Der Herzog, der 1805 auch in Oldenburg die Anlage des heutigen Schlossgartens in Auftrag gab, hatte auf Reisen nach England für seine Tante Katharina II., unter deren Vormundschaft er nach dem frühen Tod seiner Eltern stand, die Ausprägungen des neuen Gartenstils studiert und verinnerlicht. Die vierzehn Hektar große Anlage steht heute unter Denkmalschutz und ist der bedeutendste frühe Landschaftsgarten des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
Schloss und Palais Rastede
Das Rasteder Anwesen, 12 km nördlich von Oldenburg gelegen, ist bereits seit dem Mittelalter mit dem Oldenburger Haus verbunden. Das 1091 geweihte Benediktinerkloster fiel in der Reformationszeit in den Besitz der Grafen von Oldenburg. In den 1640er Jahren ließ schließlich Graf Anton Günter eine Sommerresidenz samt Schlossgarten bauen, die nach seinem Tod 1667 vom neuen Besitzer, dem dänischen König, verkauft wurde.

1777 erfolgte der Rückkauf des Schlosses durch Herzog Peter Friedrich Ludwig. Das durch den vorigen Besitzer zu einem Landhaus umgebaute und mit barockem Garten angelegte Anwesen wurde zunächst sein eigener Wohnsitz, bis er anlässlich seines Regierungsantritts 1785 nach Oldenburg zog. Jedoch blieb Rastede die sehr geschätzte Sommerresidenz der herzoglichen Familie.

1779/1780 begannen die Umbaumaßnahmen am Landhaus mit dem Vorhaben, es in ein schlichtes spätbarockes-frühklassizistisches Schloss zu verwandeln. Zwischen 1788 und 1792 erfolgte an den nördlichen und westlichen Flügeln der Bau von Marstall und Kavaliershaus, verantwortlicher Architekt war hierbei Johann Heinrich Gottlieb Becker. Ab 1784 begann die fachgerechte Umgestaltung der barocken Parkanlage unter der Leitung von Carl Ferdinand Bosse, die durch seinen Stiefbruder Christian Ludwig Bosse ab 1794 weitergeführt wurde. Jedoch ist belegt, dass Peter Friedrich Ludwig bereits seit 1778 mit eigenen Planungsentwürfen begonnen hatte und diese auch zum Teil umsetzte. Im Zuge seiner Bildungsreise u.a. nach England (1775/1776) hatte er die Bauart südenglischer Landsitze und ihren landschaftlichen Anlagen kennengelernt und es war ihm, als sich diese Gelegenheit anbot, ein persönliches Anliegen, seine Gestaltungsideen mit in die Umbaupläne der jeweiligen verantwortlichen Architekten einfließen zu lassen, hatte sie teilweise sogar als Vorgabe durchgesetzt. Ein 1816 durch Heinrich Slevogt begonnener Umbau des Schlosses führte zu dem Ergebnis der bei Peter beabsichtigten, eindeutig klassizistisch geprägten Form, wenn auch weitere Pläne, die dem angestrebten Ideal der englischen Vorbilder entsprochen hätten, aus Kostengründen auch hier nicht umgesetzt wurden.

Ein 1822 angekauftes, angrenzendes Grundstück mit Landhaus wurde zum späteren Erbprinzenpalais ausgebaut, das dem ältesten Sohn, Paul Friedrich August als Wohnsitz für dessen Familie und Hofhaltung dienen sollte. Nach dem Tod Peter Friedrich Ludwigs und dem Umzug nach Oldenburg kam es auch unter dem neuen Großherzog auf dem Rasteder Anwesen zur weiteren baulichen Ausgestaltung der Schloss- sowie der inzwischen umfangreichen Parkanlage. Insbesondere die klassizistische Hauptfassade des Schlosses ist heute noch zu bewundern. Ganz der biedermeierlichen Gemütlichkeit und familiären Privatheit verpflichtet stand auch die Restaurierung der Innenräume.

Unter seinem Nachfolger, Großherzog Nikolaus Friedrich Peter fand durch Zukauf noch einmal eine erhebliche Vergrößerung der Ländereien statt, die vornehmlich durch Verbindungsparks gestaltet wurden. 1868 entstand die Schlossgärtnerei südlich des Palaisgartens. Vor allem für die im Schlossgarten angesiedelte Nutzgärtnerei zuständig, kümmerte sie sich auch um die Blumen und Hölzer- Bepflanzung in der Umgebung des Schlosses. Diese Gestaltung, aber auch jene der Nadelbaumpartien im Palaisgarten, wurden gemäß den Vorstellungen des Großherzogs bewirtschaftet, der in den weitläufigen Parkanlagen (300 Hektar) zusätzlich Pavillons, Lauben, Hütten und Bänke bauen ließ. Nach der Eröffnung der Eisenbahnline Wilhelmshaven-Oldenburg (1867) begann die Zeit Rastedes als beliebter Ausflugsort. Das Gärtnerei- und Baumschulwesen wurde in dieser Umgebung ein bedeutender Wirtschaftszweig. Ein Denkmal mit dem Bronzeportrait des Großherzogs, der in Rastede 1900 starb, befindet sich auf dem Kirchplatz.

Schloss Oldenburg
Das Oldenburger Schloss wurde bereits zu Zeiten der Grafschaft Oldenburg als Residenz genutzt. An der Stelle einer ursprünglich auf einem Geestrücken liegenden Wasserburg ließ Graf Anton Günther ab 1607 das dreigeschossige Renaissanceschloss mit manieristischer Fassaden- und Skulpturenverzierung bauen. Aus der Dänenzeit (1667-1773) stammt die heutige Gestalt des Portals.

Maßgebliche Erweiterungen erfuhr das Schloss mit der Übernahme der Herrschaft des Hauses Oldenburg 1773. Unter Herzog Friedrich August (reg. 1774-1785) und der Leitung des Hofbaumeisters Georg Greggenhofer (1719-1779) wurde 1775-1778 an der Südseite des Schlosses der “Holmer Flügel” an den “Anton Günter-Trakt” angebaut. In den drei Stockwerken des Anbaus waren die Bediensteten untergebracht, 1818 wurden einige Räume der Bel Ètage zugunsten einer größeren Nutzfläche des benachbarten Tanzsaales aufgegeben.

Mit seinem Nachfolger Herzog Peter Friedrich Ludwig (reg. 1785-1829), beginnt für die Stadt und das Schloss Oldenburg die eigentliche Residenzzeit. In den Wintermonaten war die Bel Étage des Schlosses als Wohnraum vorgesehen, als Sommerresidenz fungierte das Schloss Rastede. Der Herzog begann nach seiner Rückkehr aus dem russischen Exil (1811-1813) ab 1817 die Innenräume unter der Bauaufsicht des klassizistischen Baumeisters Heinrich Carl Slevogt (1787–1832) modernisieren zu lassen und veranlasste den Bau eines weiteren Flügels für Hofküche und Bibliothek sowie zweier Remisen.

Im “Anton-Günter-Trakt” entstand eine repräsentative Zimmerflucht, bestehend aus Strack Saal, Weißem Saal und dem sich anschließenden Mamorsaal im Holmerflügel. Heute hängen in dem klassizistisch gestalteten Weißen Saal Gemälde des Oldenburger Hofmalers und ersten Galerieinspektors Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829). Der Strack-Saal wurde benannt nach dem Hofmaler Ludwig Philipp Strack (1761–1836). Auf Entwürfe Tischbeins gehen zwei historische Öfen im Strack-Saal zurück. Strack schuf für diesen Saal 1818/19 sechs großformatige, dekorative Gemälde mit italienischen Ideallandschaften.

Als weitere besondere Sehenswürdigkeit gilt das sogenannte Idyllenzimmer, der Tischbeins gleichnamigen, vollständig erhaltenen Gemäldezyklus zeigt, den der Maler im Auftrag Herzog Peter Friedrich Ludwigs ausführte und 1820 abschloss. Des Weiteren sei noch der imposante Große Schlosssaal erwähnt. Dieser ist im Stil der Neorenaissance gehalten und mit Deckengemälden des Bremer Malers Arthur Fitger (1840–1909) ausgestattet.

Anlässlich der Vermählung (1836) seiner Tochter mit dem König von Griechenland, wurde von Großherzog Paul Friedrich August (reg. 1829-1853) ein oval angelegtes Empfangzimmer in Auftrag gegeben. Das aufwendig holzvertäfelte Zimmer konnte jedoch erst 1838 fertiggestellt werden.

Der baufällig gewordene “Dänische Kanzleiflügel” (errichtet 1744) wurde 1894 abgebrochen und unter der Bauleitung Ludwig Freeses (1859-1906) durch den noch heute stehenden Theaterflügel ersetzt.

Prinzenpalais in Oldenburg
Herzog Peter Friedrich Ludwig gab 1819 den Bau des Prinzenpalais in Auftrag, dass in den folgenden drei Jahren errichtet wurde. Er hatte es als Wohnort für die verwaisten Kinder Alexander und Peter seines 1812 in Russland verstorbenen Sohnes, Prinz Georg geplant. Das Palais wurde 1860-1862 um einen Flügel ergänzt und diente Großherzog Nikolaus Friedrich Peter (1827-1900, reg. ab 1853) als Wohnsitz, während das Schloss dem Thronanwärter, Friedrich August (1852-1931) zur Verfügung stand. Als Großherzog bewohnte Letzterer mit seiner Familie das an den Schlosspark angrenzende Elisabeth-Anna-Palais.

Autor: Annett Wiegand

Bildnachweis: Bild 4 Sven Adelaide/Landesmuseum Oldenburg