Auf den Spuren von Graf Anton Günther (1583-1667)

Das Oldenburger SchlossGraf-Anton-Günther-DenkmalGraf Anton Günther und RastedeDer Weserzoll in Elsfleth
Das Schloss ist eines der Wahrzeichen der Stadt Oldenburg. Im 12. Jh. ließen die Grafen von Oldenburg an dieser Stelle eine Burg errichten, die durch natürliche Wasserläufe geschützt war. In der Regierungszeit Graf Dietrichs dem Glücklichen (gest. 1440) wurde diese Burg mit einem künstlichen Wassergraben umgeben, von dem heute noch ein kleiner Rest erhalten ist. Für seine herrschaftliche Selbstdarstellung ließ Graf Anton Günther die Wasserburg 1607-16 von den Baumeistern Jürgen Reinhardt und Andrea Spezza zu einem repräsentativen Schloss umbauen. Dafür musste auch der mittelalterliche Bergfried weichen, der wegen des instabilen Baugrundes zu einer Seite hin abgesackt war. Mit dem Schlossbau setzte sich der Graf selbst ein Denkmal, denn fortan erinnerte man sich an Anton Günther als den Erbauer des Oldenburger Schlosses. Den sogenannten Anton-Günther-Flügel ist bis heute der Kernbau des Oldenburger Schlosses und in den Formen der Spätrenaissance gestaltet.

Den barocken Risalit, der noch heute den Eingang des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte hervorhebt, erhielt die Schauseite des Schlosses bei Umbau- und Renovierungsarbeiten in den Jahren 1737-46. Im selben Zuge bekam das Schloss ein Mansarddach. Die Baumaßnahmen des 18. und 19. Jahrhunderts verhalfen dem Schloss unter den Architekten Georg Greggenhofer, Heinrich Carl Slevogt und Ludwig Freese zu seinem jetzigen Erscheinungsbild.

Autor: Sabrina Kolata, bearb. von Jörgen Welp

Das Oldenburger Schloss
Oldenburger Schloss, Schloßplatz 1, Oldenburg. Foto: Stefan Klink

Literatur

  • Oldenburgische Landschaft (Hg.), Baudenkmäler im Oldenburger Land, Oldenburg 2017.
  • Markus Evers: Graf Anton Günther. Zur Erinnerungsgeschichte und gegenwärtigen Präsenz der oldenburgischen Symbolfigur und “Ikone”, in: Mareike Witkowski (Hrsg.): Oldenburger Erinnerungsorte. Vom Schloss bis zur Hölle des Nordens, von Graf Anton Günther bis Horst Janssen, Oldenburg 2012, S. 133-208).
Die naturalistische Reiterskulptur Graf Anton Günthers steht heute an der Esso-Tankstelle in Kreyenbrück. Nachdem die Figur des allgemein beliebten, frühneuzeitlichen Landesherrn im Sommer 2011 auf dem Landesturnier in Rastede von den Initiatoren eines Graf-Anton-Günther-Denkmals vorgestellt worden war, folgte eine heikle Debatte um ihren Aufstellungsort. Das aus Bronze gegossene Standbild wurde vom Dresdner Künstler Walter Hilpert gefertigt und zeigt die oldenburgische Symbolfigur typischerweise auf seinem Lieblingspferd Kranich sitzend. Die Darstellung stammt aus der von Anton Günther selbst in Auftrag gegebenen Winkelmann-Chronik und ist längst zu einer Bildmarke in Oldenburg geworden, die immer wieder und in ganz verschiedenen Zusammenhängen Verwendung fand und findet.

Initiatoren für das Bronzedenkmal waren der Künstler Bernd Eylers, der inzwischen verstorbene Unternehmer Klaus Dirks und der ehemalige Oberbürgermeister und frühere Landtagspräsident Horst Milde. Sie setzten sich intensiv für eine Aufstellung vor dem Oldenburger Schloss ein, als dessen Erbauer der Graf gilt. Die Intention, den vor mehr als 350 Jahren verstorbenen Anton Günther auf diese Weise für seine Verdienste um die frühere Grafschaft zu ehren, stieß auf harsche Kritik. Viele Politiker und andere sahen schlichtweg keine Notwendigkeit zu einem weiteren Denkmal, da sie das Wandfresko in der Langen Straße und das Kenotaph mit Büste in der Oldenburger Lambertikirche als ausreichend ansahen. Anstoß nahmen einige vor allem auch an der Darstellungsform des naturalistisch ausgeführten „Reiterstandbildes”, das eine enge Verbindung zu einer unzeitgemäßen monarchischen Herrschaftsrepräsentation aufweise. Da sowohl die Entscheidung für das Denkmal als auch die Debatte um die Darstellungsart im Stillen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt war, traf das Ergebnis bei vielen auf Ablehnung. Somit scheiterte letztlich auch der Plan, es auf dem Schlossplatz aufzustellen und das Standbild fand seinen Platz schließlich in Kreyenbrück, auf dem Gelände einer Waschstraße.

Eine Replik der Statue „reist“ zuweilen durch die frühere Grafschaft und wird von Bernd Eylers an verschiedenen Orten aufgestellt.

Unterrichtsmaterial

Autor Text: Sabrina Kolata, 2018, bearb. von Jörgen Welp

Graf Anton Günther hatte zu Rastede ein besonders enges Verhältnis. Wegen der gesunden Luft, lustigen Gegend, vielen Büschen und guten Wildbahn hatte er sich in dießem Ambt ein schönes kostbares Gebäu zur bequemen Sommer Residenz erbauen und einen Lustgarten anlegen lassen (J. J. Winkelmann 1671).

Nicht nur aus den angeführten Gründen erwählte der Graf sich Rastede zu seinem bevorzugten Aufenthaltsort, sondern sicherlich auch, weil dieser in der Geschichte seines Hauses über Jahrhunderte eine besondere Rolle gespielt hat.

Das 1091 geweihte Benediktinerkloster, der Klosterchronik nach von Graf Huno nach dem siegreichen Löwenkampf seines Sohnes Graf Friedrich in Erfüllung eines Gelübdes errichtet, fiel im Zuge der Reformation an die Oldenburger Grafen. Diese nutzten es als Vorwerk, in dem einige von ihnen zeitweise auch ihren Wohnsitz nahmen. So hielt sich Anton Günther schon als Kind mit seinen Eltern Graf Johann VII. („der Deichbauer“) und Gräfin Elisabeth von Schwarzburg sowie seinen Geschwistern häufig in dem ehemaligen Kloster auf, da das Oldenburger Schloss baufällig war. Nachdem er 1603 als Zwanzigjähriger die Regierung übernommen hatte, weilte er weiterhin besonders gerne in Rastede. Schließlich baute er das ehemalige Klosteranwesen um. Das Abtsgebäude ließ er abreißen und an dessen Stelle 1643 sein “Jagd- und Lusthaus” erbauen, einige weitere Klostergebäude mussten ebenfalls weichen.

Der große Pferdefreund hatte schon 1612, vor dem Neubau des Schlosses, auf dem Gelände einen Marstall errichtet, auch Reithaus und Reitschule kamen dazu. In dem Marstall dürfte unter den schönen Pferden auch der berühmte “Kranich” mit der außerordentlich langen Mähne und dem neun Ellen langen Schweif gestanden haben, der uns von vielen Abbildungen des reitenden Grafen bekannt ist. Das Schloss wurde mit einem Turm versehen, und das Turmdach mit einem vergoldeten Pferd geschmückt. Die Innenausstattung war prächtig, viele Pferdebilder schmückten die Räume, und mehrere Kunstwerke hatten den sagenhaften Löwenkampf zum Thema.

Die alte Klosterkirche ließ 1618/1649 Anton Günther restaurieren und zu seiner Schlosskirche einrichten. An das Pförtnerhaus des Grafenschlosses erinnern noch die beiden steinernen Löwen, die sich heute auf den Pfeilern der Pforte zur St.-Ulrichs-Kirche befinden; sie hatten einst dessen Giebel geziert.

Auf dem früheren Kirchhof der Mönche, dem ehemaligen Kreuzgang-Hof, ließ der Graf 1637 einen schönen Lustgarten anlegen. Ein weiterer, größerer Lustgarten war südlich des Schlosses angelegt. In den Lustgärten gab es vor allem Ziergewächse, also Blumen, sowie edleres Obst wie Weinstöcke und Aprikosenbäume, sogar Pomerantzen Bäume waren vorhanden, also Orangenbäumchen. Auch Melonen wurden gezogen.

Ein Fischteich war vorhanden, und nicht weit entfernt von dem Jagd- und Lusthaus wurde zwecks Bereicherung der gräflichen Tafel der Krebsteich angelegt.Im “Hagen”, den sein Schloss umgebenden Wald, im Eichenbruch und im Abtsbusch – alle einst Klosterbesitz – sowie in den umliegenden Heiden, den “Meenheiten” der Bauerschaften, konnte der Graf seiner Jagdleidenschaft frönen. Von Schießhütten aus konnten wilde schweine nach Belieben … geschoßen werden, Hirsche wurden dort im Winter mit Heu gefüttert.

Von seiner häufigen Anwesenheit in Rastede, wo sich der Graf bei Jagd und geselligen Festen erholte, profitierte auch das Dorf. Bevor er die ehemalige Klosterkirche zu seiner Schlosskirche umgebaut hatte, nahm er an den Gottesdiensten in der St.-Ulrichs-Kirche, der Gemeindekirche, teil. Für sie auch stiftete er 1612 die Ludwig-Münstermann-Kanzel. Im Jahr 1629 ließ er südlich vom Glockenturm ein neues Schulgebäude errichten. Einige Rasteder belohnte er für besondere Dienste, indem er ihnen ein Grundstück mit Haus schenkte, so den beiden unter ihm wirkenden Pastoren, Vater und Sohn, Johannes und Albertus Fabricius (dessen heute denkmalgeschütztes Haus existiert noch unter seinen Nachfahren Brötje), dem Amtmann Matthias Pott (die Hofstelle am Stratjebusch ist noch vorhanden), dem Hofgärtner Hermann Osterhusen und dem gräflichen Bereiter Reinhard Schröder.

Von Letzterem hängt im Chorraum der St.-Ulrichs-Kirche ein Epitaph, außerdem stiftete Schröder eine der Altartafeln von Lucrecia de Saint Simon. Er war offensichtlich ein wohlhabender Mann: Als Bereiter des großen Pferdeliebhabers Graf Anton Günther hatte er einen wichtigen Posten inne.

Das ehemalige Johannitergut Hahn, nun Vorwerk des Grafen, trug erheblich zu des Grafen Hofhaltung bei, auch unterhielt er hier eines seiner berühmten Gestüte.

Als der 83-Jährige im Frühjahr 1667 kränkelte, begab er sich nach Rastede, weil er sich von einem Aufenthalt auf seinem “Jagd- und Lustschloss” eine Besserung erhoffte. Am 19. Juni jedoch schloss Graf Anton Günther, der wohl berühmteste und volkstümlichste Oldenburger Herrscher, im Beisein seiner Ehefrau Gräfin Sophie Katharina und seines illegitimen Sohnes Graf Anton von Aldenburg in Rastede seine Augen. Zu seiner letzten Ruhestatt in der Lambertikirche zu Oldenburg begleitete ihn sein Rasteder Pastor Albertus Fabricius.

Autorin: Margarethe Pauly

Literatur

  • Hermann Lübbing, Graf Anton Günther von Oldenburg, Oldenburg 1967.
  • Johann-Justus Win(c)kelmann, “Oldenburgische Friedens- und der benachbarten Oerter Kriegshandlungen”. Neudruck der Ausgabe 1671 Osnabrück H. Th. Wenner 1977.
  • Zu den Gebäuden, ihrer Ausstattung und den Gärten s. Winckelmann, S. 513-514 sowie: Nachricht einiger notabel sachen, so zu Rastedt ufm Hauße, in der Schloß- undt Kirspell Kirchenzu finden und zu sehen sind.(Abgedruckt in: Rasteder Archivbote Nr. 11, Dez. 2000).
Mit Zöllen wird in heutiger Zeit Handelspolitik betrieben, Staaten verteuern mit Zöllen ausländische Waren und schützen damit die eigene Industrie. In Mittelalter und Früher Neuzeit dienten Zölle politischen wie fiskalischen Zwecken. Wer einen Zoll an einem Fluss oder einer wichtigen Handelsstraße errichten konnte, der übte hier Herrschaft aus und konnte zudem Geld einnehmen. Die Errichtung von Zollstätten war von so großer Bedeutung, dass es hierzu einer Genehmigung durch den deutschen Kaiser und die Kurfürsten bedurfte. Beides erreichte 1623 Graf Anton Günther von Oldenburg für die Errichtung eines Zolls an der Unterweser, weil er angeblich das Geld dringend benötigte, um die Deiche an der Küste bzw. an der Unterweser zu verbessern.

Die Unterweser war bis dahin nicht von Zöllen belastet gewesen. Dies war für die Hansestadt Bremen von großer Bedeutung, denn über Bremen wurde der überregionale Handel vor allem mit den Niederlanden mit Hilfe der Handelsschifffahrt abgewickelt. Deshalb wehrte sich die Hansestadt vehement gegen den neuen Zoll und verweigerte nicht nur seine Anerkennung, sondern drohte mit offener Gewalt gegen die in Elsfleth eingerichtete Zollstation des Oldenburger Grafen. Graf Anton Günther gelang es aber, den Zoll im Westfälischen Friedensvertrag von 1648 zu verankern, so dass die sogar in Reichsacht genommene Stadt Bremen 1653 schließlich nachgeben musste. Allerdings wurde die Zollerhebung für die Bremer Kaufleute erträglich gestaltet, zeitweise war der Zoll sogar an die Bremer Kaufmannschaft verpachtet. Dennoch waren die Zolleinnahmen ein wichtiger Teil des Oldenburger Staatshaushaltes. Als der Zoll zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgehoben werden sollte, wurde das Herzogtum Oldenburg deshalb durch Gebietsabtretungen (u.a. das Oldenburger Münsterland) entschädigt. Erst 1820 wurde der Zoll endgültig eingestellt.

Autor: Gerd Steinwascher

Unterrichtsmaterial