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GIB STOFF – Ausstellung vom 9. Juni bis 25. August im Palais Rastede

Facetten der Textilkunst

Revival II , 2023, Gabriele Böger

Ausstellung vom 9. Juni bis 25. August im Palais Rastede

Obwohl es nur fünfzig Jahre zurückliegt, dass sich Textil als Ausdrucksmittel bildender Kunst etablieren konnte, erscheint in den Kunstmuseen und den Messehallen das Spektrum dieser „jungen“ Kunstgattung inzwischen breiter denn je. Diesem Trend folgend werden im Palais Rastede vom 9. Juni bis zum 25. August spannende Positionen zeitgenössischer Textilkunst von vier Künstlerinnen präsentiert, die alle in Bremen und Oldenburg arbeiten.

Initiiert wurde die Ausstellung vom Heimatverein Rastede e.V. mit Unterstützung der Residenzort Rastede GmbH. Unter den Rasteder Kulturakteuren ist der Heimatverein Rastede e.V. die Institution, die sich dem Web- und Spinnhandwerk bereits seit der Vereinsgründung 1922 widmet. Weil die Arbeit mit textilen Materialien inzwischen längst die bildenden Künste erreicht hat, wird aus Tradition und Moderne ein spannendes Zusammenspiel „gestrickt“. 

Gabriele Böger schafft fantastische Objekte, die Lebewesen anmuten, die im nächsten Moment etwas zu gebären oder zu überwuchern scheinen. Andere der Gebilde quillen dicht gedrängt aus einer ausgedienten Aktentasche heraus. Nachdem die Einzelteile vernäht und durch Bindemittel gefestigt sind, werden sie mit Aquarellfarben koloriert. Gabriele Böger, deren künstlerische Laufbahn mit einem Studium im Fach Textildesign an der Fachhochschule Hannover ihren Anfang nahm, ist im Palais keine Unbekannte. Mehrfach schuf sie dort Illustrationen für Inszenierungen des Theaters Orlando.

Anja Fußbach kombiniert Stoff und Garn gerne mit originellen Flohmarktfunden, um kulturelle Phänomene oder den alltäglichen Wahnsinn unserer Gesellschaft zu karikieren. Die Ergebnisse sind ebenso anarchistisch und subversiv wie tiefsinnig und poetisch. Eigens für diese Ausstellung hat die in der Lüneburger Heide geborene Wahlbremerin eine Werkreihe mit der „Tuft Gun“ geschaffen, eine tragbare Nähmaschine, die Garn in eine Leinwand schießt.

Sichtbar experimentierfreudig kommen bei Dörte Putensen Stoffreste und Garne unterschiedlichster Qualität und Beschaffenheit zum Einsatz. Während sich die Einzelteile wie Farben auf einer Leinwand mischen und die mit Zick-Zack-Nähten collagenhaft zusammengefügten Stofffetzen wie gemalt erscheinen, gleicht ihr jüngstes Fadenspiel dem Zeichnen mit angespitzten Buntstiften. Ein lebensgroßes Porträt von Frida Kahlo, das mehrere Techniken in sich vereint, wurde jüngst mit einem Publikumspreis ausgezeichnet.

Stephanie Ritterhoff befasst sich aktuell mit dem Quilting, dem Absteppen eines mehrlagigen Textils. Stich für Stich lässt sie ein dezentes Motiv entstehen, das sich über die gesamte Stoffoberfläche zieht, ohne dabei der zugrunde liegenden Gewebestruktur zu folgen. Mit weiteren Elementen, vielfach organischen Formen, die mit Pailletten oder Perlen bestickt sind, erzielt die Kunststickerin eine reliefhafte Plastizität. Daneben entstehen sehr reduzierte Werke, indem sie Goldgarn um zarte Teichgrashalme legt. Die promovierte Historikerin hat sechs Semester an der International School for Textile Arts gelernt. Dass beim Handarbeiten gleichzeitig mehrere Gehirnregionen aktiv sind, visualisiert sie mit der Serie der „Gehirne“. 

Parallel zur Ausstellung im Palais öffnet der Heimatverein, der seinen Sitz im Mühlenhof hat, seine Türen, um Interessierten das Zusammenspiel von Kette und Schuss zu zeigen. Begleitend zur Ausstellung finden Künstlergespräche statt. Die Ausstellung wird von der Oldenburgischen Landschaft gefördert.