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Erste Brinkmann-Dauerausstellung in Vechta | Frühwerke des Poeten zu sehen

Dem 1940 in Vechta geborenen und 1975 in London gestorbenen Dichter und Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann widmet die Universität Vechta jetzt die erste Dauerausstellung in den Räumen der Bibliothek, Driverstraße 26. Der Leiter der Arbeitsstelle Brinkmann, Prof. Dr. Markus Fauser, hat sie konzipiert. Die Schau kann zu den Öffnungszeiten der Bibliothek kostenlos besucht werden.

Bereits als Schüler des Gymnasium Antonianum hat Brinkmann geschrieben. Die Ausstellung an der Universität Vechta zeigt das Frühwerk in herausragenden Dokumenten ebenso wie Sammlungen aus Essen und Köln. Briefe und Briefbücher, Gedichtsammlungen und selbstgestaltete Postkarten aus Austin, Texas geben einen faszinierenden Einblick in Brinkmanns Arbeit. Ein Highlight der Ausstellung ist das große Gemälde seines Freundes Henning John von Freyend: Das grüne Hemd von Rolf Dieter Brinkmann. Außerdem zeigt die Schau aber auch weitere Bilder der POP-ART aus der erst kürzlich erworbenen Sammlung des MÄRZ-Verlegers Jörg Schröder. Fotos, zeitgenössische Ansichten und Porträtserien sind ebenfalls Teil der Schau.
„Brinkmann ist längst ein national wie international bekannter, in Forschung und zeitgenössischer Literatur etablierter und gelesener, nach wie vor einflussreicher Autor“, sagt Prof. Dr. Markus Fauser. „Die Entwicklung und Entstehung seiner schriftstellerischen Karriere kann Vechta heute in allen Stufen von den Anfängen her zeigen.“ Darüber hinaus werde ein einzigartiger Blick auf die Bildungs- und Kulturgeschichte des Nordwestens möglich und die sozialen wie kulturellen Bedingungen, unter denen die Nachkriegsgeneration starten musste, ganz direkt erfahrbar. Brinkmanns Entwicklung in der Auseinandersetzung mit der Mentalität der Region, die Begrenzungen wie die Chancen des ländlichen Raumes in den Fünfziger- und Sechziger-Jahren – all das sind die Themen der Ausstellung.
„Brinkmanns Werk erlaubt fundamentale Einblicke in die Verlags- und Mediengeschichte der frühen Bundesrepublik“, erklärt der Arbeitsstellenleiter Fauser. Nicht nur literarische Handschriften seien zu sehen, auch die wechselseitige Erhellung ganz unterschiedlicher Medien (Film, Foto, Collage) gehe aus den gezeigten Objekten deutlich hervor. „Als Vertreter der literarischen Moderne ist Brinkmanns Leistung ebenso bedeutend wie seine Arbeit bei der Vermittlung neuer amerikanischer Literatur, der Pop Art und Popliteratur seit 1965“, sagt Prof. Dr. Markus Fauser. Vechta besitze mittlerweile die umfassendste Sammlung mit Originaldokumenten vom Autor und zu seiner Wirkungsgeschichte.

Seit vielen Jahren hat der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Fauser Nachlässe von Freunden und Bekannten Brinkmanns gekauft und archiviert. Darunter befindet sich das gesamte Frühwerk aus der Vechtaer Zeit bis 1959. In mehreren Büchern machte er Brinkmanns Rolle in der Stadt und der Region Südoldenburg bekannt. Nun krönt die Arbeitsstelle ihr Werk mit der öffentlichen Präsentation der Vechtaer Sammlung.

Rolf Dieter Brinkmann
Der am 16. April 1940 in Vechta geborene Brinkmann arbeitete seit den frühen 60er-Jahren als freier Autor. Vechta verließ er 1959, hatte eine Buchhändlerlehre in Essen absolviert und war dann nach Köln gezogen. In rascher Folge erschienen Gedichtbände, Erzählungen, Essays und der schonungslose, stark autobiografisch geprägte Roman “Keiner weiß mehr”. Als radikaler literarischer Erneuerer hat Brinkmann Einfluss auf nachfolgende Lyrikergenerationen im deutschen Sprachraum. Anfang der 70er-Jahre zog sich Brinkmann fast völlig aus dem von ihm verachteten Literaturbetrieb zurück. Er starb 1975 im Alter von nur 35 Jahren bei einem Verkehrsunfall in London. Sein wichtigster Gedichtband “Westwärts 1&2″ erschien erst kurz vor seinem Tod.”
Arbeitsstelle Brinkmann an der Universität Vechta
Die Arbeitsstelle pflegt das literarische Erbe des Autors in umfassendem Sinne. Zu der vollständigen Sammlung der Texte treten ihre wissenschaftliche Erschließung und Publikation (Bibliographie, Tagungen, Handbücher, populäre Darstellungen) sowie die Öffentlichkeitsarbeit und die regionale wie lokale Vermittlung. Ein Schwerpunkt ist der Erwerb von Nachlässen.

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